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Symphonie Nr. 5: 1. Satz

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Formschema 1. Satz  --> Bild
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Der erste Satz der Schicksalssymphonie stellt ein geistiges Problem dar, ohne es zu lösen. Vier Schläge mit charakteristischem Terzabstand stehen am Beginn. Daraus entwickelt sich der gesamte erste Satz.


Vier Noten, aus dem c-Moll Dreiklang gewonnen, eröffnen das Werk, wobei der letzte Ton als Fermatenton ausgehalten wird. Die Kräfte, die dieses Schicksalsmotiv freisetzt, setzen dem Hörer in seinem Erlebnisvermögen keine Grenze.


Das Hauptthema ist eine Staffelung des Schicksalsmotiv zum Dreiklang. "Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen" - so soll Beethoven gesprochen haben. Beethovens Wort gilt hier in ganz besonderem Maße.


Nochmals erklingt das einleitende Schicksal-Motiv. Eine große Kraft- und Willensäußerung von menschlicher Größe steht vor uns, aufgebaut auf einem gesunden Naturempfinden. Der Pianist und Klavierpädagoge Karl Czerny, 1791 - 1857, Schüler Beethovens, berichtet, dass der Komponist den Rhythmus des Schicksal-Motivs auf einem Spaziergang im Wald vom Gesang einer Amsel abgelauscht habe. Wiederum wird das Motiv nebeneinander gestellt, unter Zunahme der Lautstärke in hellere Lagen versetzt, bis es von der Höhe in die Tiefe stürzt.


Das Seitenthema in Es-Dur ist hier nicht Gegensatz zum Hauptthema, sondern erwächst aus diesem. Der Themenkopf von Haupt- und Seitenthema ist identisch, Quintschritte führen zur Entfaltung des melodischen Geschehens im Seitenthema. In den Violincelli und Kontrabässen hört man das Pochen des Schicksal-Motivs.

Im Epilog zeigt sich eine neue Figur, der sich in der Epilog-Coda das komprimierte Schicksalsmotiv als Abschluss der Exposition anschließt.


Die Durchführung steht völlig im Dienste der Verarbeitung der beiden aufgestellten - aus einem Keim resultierenden - Themen. Es gibt keinen Symphoniesatz in der europäischen Musikgeschichte, der mit so kleinen musikalischen Grundelementen einen solchen großen Klangkosmos aufstellt. Vorerst moduliert Beethoven mit dem Schicksalsmotiv von Es-Dur nach f-Moll.

Das leicht veränderte Schicksal-Motiv bleibt treibende Kraft der Durchführung. Ein Crescendo aus dem Pianissimo heraus führt zum Hauptthema im Fortissimo des gesamten Orchesters, wo Beethoven zuerst auf den Terzschritt des Schicksal-Motivs verzichtet, dann von drei Schlägen des Motivs auf zwei Schläge verkürzt.

Im Fortissimo wird das Seitenthema in der Durchführung in das Geschehen gebracht und daraufhin der zweite und dritte Takt dieses Themas zum musikalischen Geschehen herangezogen. Die Gegenüberstellung von Streichergruppe und Holzbläsergruppe bestimmt den Klangeindruck.

Auf dem Schluss-G des Dominantakkordes G-Dur bleibt der Oboe in einer eintaktigen Adagio-Kadenz ein klagendes, wehmütiges Nachwort überlassen.

Im Zwischensatz der Reprise ist der musikalische Stoff ähnlich verteilt wie in der Exposition. Das Schicksal-Motiv wird nebeneinander gestellt. Tonartlich muss eine leichte Veränderung sein, wird doch das Seitenthema in der parallelen-Dur-Tonart gespielt.

Das Seitenthema ist in C-Dur, wie es der Regel eines Sonatenhauptsatzes entspricht.

Der Epilog erklingt.

Die Coda verdichtet noch die Spannung.

Das Schicksalsmotiv als Teil des Hauptthemas bestimmt das Geschehen. Das Seitenthema erklingt mit veränderten Intervallschritten.

Aus dem Terzschritt des Seitenthemas formiert sich ein neues Thema in regelmäßiger Viertelnotenbewegung.


Ähnlich dem Reprisenbeginn mit der gewaltigen Schicksal-Motiv-Fermate wird das Ende der ersten Satzes der Coda herbeigeführt. Das Hauptthema erklingt fragend im Pianissimo, der Satz schließt im Fortissimo mit bestätigenden Akkorden der 5. und 1. Stufe.