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Symphonie Nr. 5: 4. Satz (Allegro)

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Der 4. Satz wird zum Inbegriff eines Finales. Er ist Zielpunkt und Krönung des Werkes, ein wahres Jubellied.


Groß und mächtig steigt der C-Dur Dreiklang im Hauptthema des Satzes auf. Dadurch, dass drei Posaunen, eine Pikkoloflöte und ein Kontrafagott das Orchester verstärken, wird der Klang voluminöser und gewinnt an Schärfe, die diesem Finale den Charakter eines den Konzertsaal sprengenden Massen-Aufrufes verleiht. Im vollen Orchester tritt das Hauptthema in seinem Signalcharakter, aus der Idee französischer Revolutionsmusik erdacht, auf den Plan.


Die beiden Themenfortführungen setzen den Charakter des Hauptthemas fort. Das Vorbild französischer Kampfgesänge in den punktierten Notenpassagen ist sehr deutlich.


Das Thema des Zwischensatzes wird aus der C-Dur Dreiklangszerlegung gewonnen.

Der Zwischensatz wird mit seinem eigenen Thema fortgeführt, durch die Einführung des Tones Fis gelangt Beethoven in die Tonart G-Dur, die Tonart des Seitenthemas.


Das Seitenthema in G-Dur hat seinen musikalischen Kern im Schicksalsmotiv des 1. Satzes. Aus da da da daa wird da da da dii. Aus einem kämpferisch klingenden Motiv wird durch Umwandlung ausgelassene Freude. Aus der Viernotenformel erwächst eine neue Botschaft.

Im Epilog tritt ein den Quartraum durchschreitendes Thema auf, das beim ersten Auftreten etwas Entspannung und Beruhigung in die Musikdiktion einbringt.

Diese Ruhe währt nur kurze Zeit. Im Forte klingt das Thema nach Art eines Geschwindmarsches. Mit gewaltigem Schwung wird die Durchführung erreicht.

Die Durchführung wird im wesentlichen mit dem Seitenthema gestaltet, dem sich ein Gegenmotiv dazugesellt.

Wie die Ruhe vor dem Sturm wirken die folgenden Takte, ehe eine überaus große Steigerung mit dem Gegenmotiv anhebt. Motive des Seitenthemas - die Viertonformel des Schicksal-Motivs - umspielen das thematische Geschehen. Aufwärtssteigende Terzschritte werden vom Schicksal-Motiv kontrapunktiert.

Der Höhepunkt der Durchführung wird musikalisch in voller Prachtentfaltung dargestellt.

Nach einem solch gewaltigen musikalischen Kraftausbruch muss eine Zäsur erfolgen. Beethoven führt in den dritten Satz zurück, da die emotionelle Steigerung so gewaltig war, dass eine weitere Überhöhung nicht denkbar wäre. Daraus erklärt sich auch die Notwendigkeit des Zusammenhängens vom dritten und vierten Satz. In der Musik hört man leise das Pochen des Schicksal-Motivs.

Die Reprise läuft den Regeln entsprechend ab, sämtliche Themen stehen in der Grundtonart C-Dur.

Die Überleitung zur Coda wird mit dem Gegenmotiv aus der Durchführung gebildet.

Die Coda beginnt mit einem Aufruf des Fagotts. Es ist das mit einem Auftakt versehene, leicht veränderte Thema aus dem Zwischensatz. Das Motiv wird von den Hörnern und den Flöten übernommen. Die Pikkoloflöte schließt diesen Abschnitt mit Tonleitern nach oben ab.

Breit setzen die Streicher nochmals mit dem Zwischensatzthema ein. Wieder ertönt die Pikkoloflöte mit der solistisch dargebotenen Tonleiter. Das Tempo wird rascher, aus dem Allegro wird das Schluss-Presto.

Das Epilog-Motiv nun im Presto-Tempo, stets in C-Dur. Einmal noch erklingt der Themenkopf des Hauptthemas des 4. Satzes.


In zwölf Orchesterschlägen, dem nochmals sieben wuchtige Schläge des Gesamtorchesters folgen, vollendet sich die Symphonie in Majestätischem C-Dur. Ein in die Zukunft weisenden Schaffensprinzip vollendet sich hier, das Schwergewicht der Symphonie hat sich vom Stirnsatz (1. Satz) in das Finale verlagert, das nun programmatisch den geistigen Inhalt des Werkes zusammenfasst: Vom Dunkel zum Licht.