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Mit Schurz und Bijou#

Zur Symbolik der österreichischen Freimaurer#

von Peter Diem

Männerbünde sind auf der ganzen Welt verbreitet. Kennzeichnend für ihre Tätigkeit ist ein starkes Elitebewusstsein und ein mehr oder minder strenges Aufnahmeritual. Die Symbolik für den jeweiligen "Übertritt in eine neue Welt" reicht von der rituellen Beschneidung bei afrikanischen Völkern über die verbundenen Augen und die entblößte Brust bei den Freimaurern bis zum geschwärzten Gesicht des "Brandfuchsen" bei den Studentenverbindungen.

In Österreich besteht eine große Zahl von Vereinigungen, die sich ihren männerbündischen Charakter bewahrt haben, wenn auch in vielen von ihnen die Frage der Zulassung von Frauen immer wieder diskutiert und ion der Regel durch die Gründung weiblicher Parallelorganisationen beantwortet wird.

Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften, Sängerschaften und Turner sind national-freiheitlich ausgerichtete Studenten- und Akademikervereinigungen. Sie umfassen in Österreich zusammen rund 70 Vereine mit geschätzten 20.000 Mitgliedern.

Rotarier und Lions sind als elitäre Serviceclubs anzusehen, die manchmal in die Nähe der Freimaurer gerückt werden, mit diesen aber eher nur das Prinzip weltweiter Organisation mit gegenseitigem Besuchsrecht gemein haben. In Österreich (mit Slowenien, Bosnien und Kroatien) gibt es rund 8.800 Rotarier in 223 Clubs und etwa 7.200 Lions (Damen und Herren) in ca. 210 Clubs. Weitere Serviceclubs sind die Kiwanis Österreich.

Die in etwa 30 REYCHEN mit ca. 2000 SASSEN wirkende Schlaraffia Austria geht auf die Gründung der URSCHLARAFFIA in Prag 1859 zurück. Auch bei diesem Männerbund besteht keine direkte Verbindung zu den Freimaurern. Die in KNAPPEN, JUNKER und RITTER gegliederten Schlaraffen pflegen Kunst, Kultur und die deutsche Muttersprache, vor allem aber den HUMOR. Der "Bund reiferer Männer in gesicherter Stellung" bedient sich äußerst phantasievoller Spitznamen und einer sehr witzigen Kunstsprache. Sein Abzeichen ist ein weißer Stecknadelkopf.

Der katholische Mittelschüler-Kartellverband (MKV) umfasst 166 farbentragende Verbindungen an 106 Orten mit rund 20.000 Mitgliedern. Der ÖCV, der Verband katholischer Studentenverbindungen Österreichs, besteht aus 45 Verbindungen mit rund 12.000 Mitgliedern.

Freimaurer - Die diskrete Gesellschaft#

Bild 'winkelmass'
Der auf die mittelalterlichen Bauhütten zurückgehende Männerbund - die Aufnahme von Frauen in die regulären ("GERECHTEN", das heißt von der englischen Mutterloge anerkannten) Vereine ist bis heute nicht gebräuchlich - umfasst weltweit rund 40.000 Bruderschaften mit insgesamt 4,5 Millionen Mitgliedern. In Österreich ARBEITEN zur Zeit 67 Logen mit mehr als 2.900 Mitgliedern.

Die MAURERISCHE ARBEIT findet grundsätzlich in der LOGE (BAUHÜTTE, TEMPEL) statt. Steht ein solcher Raum nicht zur Verfügung, wird "UNTER FREIEM HIMMEL" GEARBEITET. Vorsitzender ist der MEISTER VOM STUHL, dem weitere sechs BEAMTE (es sind dies der REDNER, SEKRETÄR, 1. UND 2. AUFSEHER, SCHATZMEISTER, ZEREMONIENMEISTER) assistieren ("VOLLKOMMENE" LOGE. Der „Vorbereitende Meister“ hat die freimaurerische Ausbildung zu sorgen.  

Vereinsziel ist das Streben nach Toleranz und Humanität sowie die Arbeit an der eigenen geistigen und menschlichen Entwicklung.
Nach Auffassung der Freimaurer stellt die auf die Gebräuche der WERKMAURER zurückgehende pedantisch vollzogene TEMPELARBEIT eine sinnbildliche Form- und Baukunst dar, die sich auf den einzelnen Menschen und die ganze Menschheit - das kostbarste denkbare Material -  bezieht ("KÖNIGLICHE KUNST"). Sie wird verstanden als Selbsterziehungssmittel, um im Kreise Gleichgesinnter zu Selbsterkenntnis und zu erhöhtem Verantwortungsgefühl für Staat und Gesellschaft zu gelangen. Wer diese Ideale ohne die Mitgliedschaft bei einer Loge lebt, wird von den LOGENBRÜDERN respektvoll FREIMAURER OHNE SCHURZ bezeichnet.

--> Alexander Giese, Die Freimaurer, hpt-Verlagsgesellschaft, Wien, 1991
--> Michael Kraus (Hg.) Die Freimaurer, Salzburg, 2007

Bild einer Logensitzung; rechts vorne angeblich W.A.Mozart - Wien Museum

Das in seinen Grundbestandteilen auf der ganzen Welt gleiche Ritual kann als dynamisches Symbol des kosmischen Geschehens gedeutet werden, in das sich der einzelne eingliedert. Erkennungszeichen und Symbole der Freimaurer leiten sich von den Gebräuchen in den Dombauhütten des Mittelalters her, die ihr Werk als auf ihre Berufsgeheimnisse bedachte Bruderschaften ausführten.

Der Übergang von den OPERATIVEN zu den SPEKULATIVEN (SYMBOLISCHEN) MAURERN vollzog sich zuerst in England, das um das Jahr 1600 zum Ausgangspunkt der Freimaurerei wurde, die sich vor allem über Westeuropa und die Vereinigten Staaten ausbreitete. Als nicht in der Öffentlichkeit tätiger angeblicher "Geheimbund" wurden die Freimaurer von allen politischen Systemen mit Absolutheits- oder Totalitätsanspruch - und auch von der Katholischen Kirche - oft für Verschwörer gehalten, verboten und bisweilen verfolgt. Sie selbst bezeichnen sich nicht als "geheime", sondern als "geschlossene" Gesellschaft.

Bild 'grossloge_at'
In Österreich spielten die Freimaurer ab 1742 vor allem als Träger der Aufklärung eine große Rolle. Zur Zeit Maria Theresias, deren Verlobter Franz Stephan von Lothringen in den Niederlanden von Engländern als Freimaurer aufgenommen wurde, gehörten der berühmte Jurist Joseph von Sonnenfels sowie Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart diesem Bunde an. Die berühmteste Loge war jene "ZUR WAHREN EINTRACHT", aus der ihr Vorsitzender, Ignaz von Born, von Beruf Mineraloge, eine wahre Akademie des Geistes machte. Ignaz von Born, der als Vorbild für den Sarastro der Zauberflöte gilt, führte auch den verpflichtenden VORTRAG innerhalb des maurischen Rituals ein.

Wolfgang Amadeus Mozart war ursprünglich Mitglied der Loge "ZUR WOHLTÄTIGKEIT", später gehörte er der Loge zur "GEKRÖNTEN HOFFNUNG" an. Diesem Umstand verdanken wir mehrere seiner Logenkompositionen. (Zur Problematik der Entstehung der Melodie der österreichischen Bundeshymne, die auf ein Freimaurerlied zurückgeht, vergleiche den Maurergesanmg unten und den Beitrag über die österreichische Bundeshymne).

Der absolutistische Kaiserstaat brachte den Niedergang der österreichischen Freimaurerei - vor allem als Folge der Jakobinerprozesse. Schon Josef II. hatte 1785 die Zahl der Logen erheblich reduziert. Unter Franz II. wurde ab 1801 ein Amtseid verlangt, demzufolge kein Staatsbeamter einer "geheimen" Verbindung angehören durfte. Nach dem "Ausgleich" mit Ungarn (1867) umging man das Verbot durch sogenannte GRENZLOGEN (z.B. in Pressburg, Ödenburg und Neudörfl), die ihre rituelle LOGENARBEIT wegen des liberaleren Vereinsgesetzes auf ungarischem Gebiet abhielten, in der cisleithanischen Reichshälfte in Wien aber humanitäre Vereine gründeten.

Um die Jahrhundertwende wurde die Friedensfrage zu einem der Themen, derer sich die Freimaurer annahmen - der Freimaurer Hermann A. Fried, ein Mitarbeiter von Bertha von Suttner, erhielt 1911 den Nobelpreis. Die volle Legalisierung der Logentätigkeit konnte erst in der Ersten Republik erreicht werden. 1933 wurde die Mitgliedschaft für Beamte erneut verboten. Der deutsche Einmarsch führte am 12. März 1938 zur Plünderung des Wiener Logenhauses und zur Beschlagnahme des Vermögens. Adolf Eichmann führte in Berlin das Freimaurer-Referat. 1945 fanden sich nur mehr 70 von 2000 Freimauern ein, um die Arbeit nach dem Kriege fortzusetzen. 1952 wurde die neue österreichische Großloge von der englischen MUTTERLOGE anerkannt. Im Rahmen der regulären Großloge von Österreich gibt es fast 70 Logen mit über 3000 Mitgliedern. Fünf kleinere, nicht reguläre freimaurerische Organisationen haben zusammen rund 30 Logen und fast 500 Mitglieder. Diese haben Männer und auch Frauen als Mitglieder.

Neben den BLAUEN (metaphysisch orientierten) gibt es ROTE Logen. Es gibt zur Zeit in Österreich drei Hochgradsysteme. Zwei davon sind betont christlich orientiert. Voraussetzung der Mitgliedschaft ist die mehrjährige Zugehörigkeit zum Meistergrad in der GLvÖ. Insgesamt ist die Freimaurerei in Österreich weder kirchlich, noch antikirchlich orientiert. Parteipolitik und Konfessionsdiskussion sind in Logen unerwünscht. Freimaurerei will keine Religion sein.

Nach dem älteren katholischen Kirchenrecht war die Mitgliedschaft bei den Freimaurern mit der automatischen Exkommunikation verbunden. In der sogenannten "Lichtenauer Erklärung" aus dem Jahre 1970 wurde ein Weg zum Abbau der starren Fronten zwischen katholischer Kirche und Freimaurerei gesucht. Der 1983 veröffentlichte neue Codex Iuris Canonici nennt die Freimaurer nicht mehr namentlich, doch wurde von der Glaubenskongregation noch im selben Jahre eine Interpretation verbreitet, nach welcher die Mitgliedschaft für Katholiken weiterhin verboten ist, weil die Freimaurer eine "relativistische Religionsauffassung" hätten.

--> Dieter A. Binder, Die diskrete Gesellschaft, Geschichte und Symbolik der Freimaurer, Freiburg, 2007, mit ausführlichem Literaturverzeichnis.

Brüder, reicht die Hand zum Bunde#

Bild 'loge'
Die LOGEN, die in der Regel jeweils nur einige Dutzend BRÜDER umfassen, sind in Großlogen zusammengefasst. Wurden diese von der englischen Muttergroßloge ANERKANNT, steht ihren Mitgliedern das weltweite gegenseitige Besuchsrecht zu. Die LOGEN verleihen nach überliefertem Ritual drei GRADE:

der SUCHENDE wird zum LEHRLING, dann zum GESELLEN und kann schließlich den MEISTERGRAD erreichen.

Im ESOTERISCHEN Bereich sucht der MAURER nach der großen Erfahrung, die ihm helfen soll, im EXOTERISCHEN Bereich durch das Eintreten für die Menschenrechte, durch karitative Tätigkeit und Reformen aller Art wirksam werden zu können. Daraus ergibt sich eine gewisse Spannung zwischen der MAUREREI als einem völlig unpolitischen und einem sehr politisch engagierten Männerbund.

Während der ARBEIT sitzt der MEISTER VOM STUHL im OSTEN des oft bewusst aus einfachem Baumaterial errichteten TEMPELS, vor dem ALTAR, von wo der SUCHENDE das MAURERISCHE LICHT empfängt.

Auf dem Boden des Logenraumes liegt ein Teppich (TAPIS), den nur der GROSSMEISTER betreten darf und auf dem einige der überaus zahlreichen Symbole der MAUREREI dargestellt sind.

Hier einige Beispiele:

Die drei UNBEWEGLICHEN KLEINODIEN - als Symbol des LEHRLINGS der UNBEHAUENE STEIN, als jenes des GESELLEN der winkelrechte KUBISCHE STEIN und als Symbol des MEISTERS das REISSBRETT, da er die Zeichnung entwirft, die zur Vollendung des TEMPELBAUS führen soll. Dieses Bild bedeutet, dass der Mensch als UNBEHAUENER STEIN eintritt, um das Ziel des BEHAUENEN STEINES zu erreichen.

Die drei BEWEGLICHEN KLEINODIEN - sind die am BLAUEN BAND getragenen Anhängerabzeichen der drei HAMMERFÜHRENDEN BEAMTEN während der rituellen ARBEIT: das WINKELMSS des MEISTERS VOM STUHL, die WASSERWAAGE (1. VORSTEHER) und das SENKBLEI (2. VORSTEHER).

Die DREI GROSSEN LICHTER liegen auf dem ALTAR (MEISTERTISCH) - die das WORT spendende BIBEL (sie muss als "BUCH DES HEILIGEN GESETZES" nicht unbedingt die christliche Bibel sein), der ZIRKEL (Symbol der Humanität) und das WINKELMASS (Symbol der Gerechtigkeit).

Die DREI KLEINEN LICHTER (Weisheit, Stärke, Schönheit) brennen auf drei SÄULEN beim TEPPICH  und bilden die DREI PFEILER, auf denen die LOGE ruht. Der Fußboden des TEMPELS ist manchmal schwarz-weiß gekachelt (MUSIVISCHES PFLASTER). Dieses Muster soll das Gute und Böse im Leben des Menschen symbolisieren.

Der HAMMER wird von den drei HAMMERFÜHRENDEN BRÜDERN für rituelle Klopfzeichen verwendet. Er gilt auch als Heils- und Schutzzeichen. Der 24zöllige MASSSTAB bedeutet, dass der Mensch 24 Stunden am Tag an sich arbeiten soll.

Links vom MEISTER, in der MITTAGSKOLONNE, sitzen die GESELLEN mit dem 1. AUFSEHER, rechts, in der MITTERNÄCHTLICHEN REIHE, die LEHRLINGE mit dem 2. AUFSEHER. Gegenüber dem Platz des MEISTERS, der im ORIENT/MORGEN sitzt, stehen im WESTEN/ABEND die SÄULEN (Leuchter) "J(ACHIN)" und "B(OAS)", durch die man den inneren Teil des Raumes betritt.

--> Günter Düriegl/Susanne Winkler: (Hg.), Freimaurer, Katalog des Historischen Museums der Stadt Wien, 1993.
--> Boberski et al., Mächtig, Männlich, Mysteriös, Geheimbünde in Österreich, Salzburg, 2005

Die Bedeutung einiger zentraler Symbole der Freimaurerei#

Bild 'Freimaurermeister'
Die aus der Kunst des Baumeisters abgeleiteten Symbole werden im einzelnen wie folgt erklärt: Um einen Bau zu errichten, wird nicht nur eine 12-Knoten-Schnur benötigt, sondern auch Zirkel, Winkel, Senkblei und Wasserwaage.

Die 12-Knoten-Knoten-Schnur (3 + 4 + 5 = 12) ist wohl das wichtigste Arbeitsgerät der antiken und auch noch der mittelalterlichen Welt beim Einmessen eines Bauwerks. Mit zwölf exakt gleich langen Markierungen (Knoten) kann fast jede Messung mit hoher Genauigkeit durchgeführt werden. Daraus leitet sich auch das Kettensymbol ab (vgl. "Kettenlied"). Der Freimaurerbund bezeichnet sich als Bruderkette. Jeder Bruder ist ein Glied dieser Kette. Von der Kette wird die gemeinsame freimaurerische Geisteshaltung und der Zusammenhalt der unterschiedlich geprägten Persönlichkeiten in der Bruderschaft symbolisiert. So ist die Kette Sinnbild der Eintracht und der Bruderliebe.

Der Zirkel agiert aus dem Mittelpunkt heraus und wird zum Symbol der Geometrie oder eines spirituellen Planes. Nach dem Goldenen Schnitt ist der Zirkel unverzichtbares Element planender Ordnung. Im Mittelalter wird Gott oft als Geometer dargestellt, der mit dem Zirkel den Erdkreis misst. Der Zirkel symbolisiert nicht nur die Entfernung zwischen dem Ich und dem Du, sondern deutet auch als Kreis ewige Wiederkehr an. Das Reißbrett steht für den Bauplan des Lebens.

Das Winkelmaß mit zwei ungleichen Schenkeln im Verhältnis 3:4 verweist auf den pythagoreischen Lehrsatz und ermöglicht die Konstruktion des Dreiecks mit den Seitenlängen 3:4:5. Das Winkelmaß steht für die rechtschaffene Lebensführung des Freimaurers, sein "rechter Winkel" ist das ideale Gleichgewicht von Körper und Geist.

Der 24-zöllige Maßstab dient dem Freimaurer symbolisch dazu, die 24 Stunden des Tages richtig einzuteilen und ist damit auch Mahnung, die Zeit zu nützen.

Auf besondere Weise beeindrucken die geometrischen Formen Dreieck und Viereck. Diese beiden einfachen Formen sind auch wesentliche Konstruktionselemente vieler Kultbauten, von den Pyramiden, einem aus einem Viereck und vier Dreiecken gebildeten Archetypus, bis hin zu den Bauwerken der Dombauhütten. Zu jeder Strecke bzw. Teilstrecke in einem Pentagramm findet sich eine Strecke oder Teilstrecke, die mit ihr im Verhältnis des Goldene Schnitts steht. Laut den Proportionslehren der Architektur befindet sich der Mensch im Mikrokosmos des Pentagramms ("Der Mensch ist das Maß aller Dinge"). Sein Maßstab wird in der Baukunst reflektiert. Das aus zwei Dreiecken gebildete Hexagramm: Zwei gekreuzte Dreiecke (Feuer + Wasser) bilden ein Hexagramm: Die Vereinigung von zwei auf diese Weise gekreuzten Dreiecken bedeutet die Vereinigung von Gegensätzen - oben und unten, Geist und Materie. Aus religiöser Sicht wird das Viereck als die "Gemeinde Gottes" oder als Verheißung für das "neue Jerusalem" gedeutet (Apok. 21,16). Zahlen sind spätestens seit Pythagoras und nicht erst mit der modernen Mathematik und Physik der Schlüssel zu den harmonischen Gesetzen des Kosmos. Zahlen sind Symbole einer göttlichen Weltordnung, jede Form, auch die Harmonie, kann durch sie ausgedrückt werden. Auch die Proportionen von Schloss Rosenau entsprechen dem Goldenen Schnitt.

Bild 'Tapis_2_Grad'
Bild 'flammenderstern'
Das Senkblei dient zur Ermittlung des exakt senkrechten Anrisses und zur vertikalen Übertragung von Messpunkten."Schau in Dich" -das Senkblei ist Symbol für das Ausloten der (inneren) Tiefe und für die Verbindung des Menschen mit dem Überirdischen.

Das Musivische Pflaster leitet sich ab vom Messgrund der Steinmetze und verweist auf die Wechselfälle des Lebens, auf die Welt der Gegensätze: Männlich-weiblich, hell-dunkel, gut-böse, schön-hässlich, schwarz-weiß.

Das Auge als eines der wichtigsten Sinnesorgane des Menschen wird in der Sprache der Symbole stets mit den Begriffen Licht und der Fähigkeit geistigen Sehens" verbunden.

Der Buchstabe "G" hat in der Freimaurerei als Symbol die Bedeutung von "Gott" und "Gnosis", aber auch "G. 0. D." (die Anfangsbuchstaben für die hebräischen Wörter für Weisheit, Stärke und Schönheit, die drei Leitgedanken der Freimaurerei) - oder es steht das "G" für die fünf Begriffe der Schöpfung: Genesis, Geometria, Genius, Generatio und Gravitatio.

Der Akazienzweig gilt als Zeichen des "immerwährenden, immer wiederkehrenden Lebens". Die Akazie ist ein dauerhaftes Hartholz und wurde in der Freimaurerei zum Symbol für die Überwindung des Todes.

Die Rose ist Sinnbild der Verschwiegenheit und zugleich auch der Stärke. Die Rose verweist aber auch auf die Schönheit der Schöpfung und eine weiße Rose führt symbolisch zum Licht bzw. zur Weisheit.

Drei Rosen (rot, weiß, rosa) werden dem verstorbenen Bruder auf den Sarg gelegt.

--> Sigfried Hermann, Der Freimaurerschurz - ein Symbol der Arbeit, Sonderausstellung in Rosenau, 2006
--> [|http://internetloge.de|http://internetloge.de/]

Vertrauliche Erkennungszeichen unter FREIMAURERN sind WORT, GRIFF und ZEICHEN, die gradspezifisch vermittelt werden.  FREIMAURER dürfen sich als solche bezeichnen, aber keine Angaben über andere BRÜDER machen ("SUB ROSAE", d.h. unter dem Gelöbnis der  Verschwiegenheit vermitteltes Wissen). Im freimaurerischen Schrifttum werden Abkürzungen mit DREI PUNKTEN versehen, z.B. Br. für BRUDER.

Bild 'punkt'

Werdegang eines Maurers:#

Nach einem komplexen Ritual wird ein von einem BÜRGEN empfohlener Kandidat durch BALLOTAGE zugelassen und durch LICHTERTEILUNG als LEHRLING unter verschiedenen Wechselreden aufgenommen. Dies geschieht in drei REISEN: nach STILLEM NACHDENKEN tritt der SUCHENDE mit verbundenen Augen an das Tor der LOGE, leistet vor dem Altar den EID und wird nach Abnahme der Augenbinde mit seinen ERKENNUNGSZEICHEN vertraut gemacht. Auch der GESELLENGRAD wird durch rituelle REISEN durch den TEMPEL, die Prüfungen und Versuchungen enthalten, erworben. Bei der Erwerbung des DRITTEN GRADES, der ERHEBUNG ZUM MEISTER, wird dem GESELLEN ein Totenkopf gezeigt. Er muss dreimal einen Sarg übersteigen, da der MEISTERGRAD unter anderem auch als "Schule des Sterbens", d.h. der Erlangung geistiger Freiheit durch Vorwegnahme des Todeserlebnisses, verstanden wird. Nach dem EID muss sich der GESELLE daher "tot" auf den TEPPICH legen, um nach einem der HIRAMSLEGENDE (über den Tempelbau Salomons) nachgebildeten Mysterienspiel zum Leben und zum Licht erweckt zu werden.

Bild 'schurz_300'
Zur rituellen ARBEIT wird das BIJOU (Logenabzeichen), bei sehr feierlichen Anlässen wird ein schwarzer Anzug mit Silberkrawatte oder weißem Rollkragenpullover und weißen Handschuhen getragen.

Das eigentliche BUNDESKLEID aber ist der SCHURZ, der beim LEHRLING weiß ist, beim GESELLEN eine blaue Umrandung hat und beim MEISTER drei Rosetten trägt. GROSSMEISTER schmücken ihren Schurz auch mit ZIRKEL, WINKELMASS und FLAMMENDEM STERN Der links abgebildete Schurz wird von Brüdern des 18° (Rosenkreuzer) des Hochgradsystems des Schottischen Ritus getragen.

Der letztere, entweder als Pentagramm (auch GESELLENSTERN - Siegel Salomons, das dieser an seinem Tempel angebracht haben soll), als Hexagramm (MEISTERSTERN) oder als gleichseitiges DREIECK (Symbol des Allmächtigen) ausgeführt, wird oft mit dem Buchstaben "G" für Gott, den "GROSSEN BAUMEISTER ALLER WELTEN, versehen.

Die rituelle Arbeit beginnt jeweils mit HOCHMITTAG (dieser ist auch ein Symbol für die Mitte des Lebens) und endet mit HOCHMITTERNACHT (Sinnbild für das Lebensende - im Gegensatz zu den Studentenverbindungen nehmen die Freimaurer ja nur Personen im reiferen Alter in ihre Reihen auf). Sollte es "REGNEN", so bedeutet dies, dass sich ein PROFANER, also ein Nicht-Freimaurer, in die Runde eingeschlichen hat.

Am Ende jeder rituellen ARBEIT bilden die BRÜDER mit ihren Händen eine KETTE und singen das BUNDESLIED ("Brüder, reicht die Hand zum Bunde"- die Melodie der österreichischen Bundeshymne). Bei den heute in Österreich nicht mehr sehr oft veranstalteten TAFELLOGEN werden TOASTE ausgebracht und TAFELLIEDER gesungen, die Gläser heißen KANONEN, weil sie lautstark auf den Tisch gesetzt werden, die Flaschen werden GEWEHRE genannt. Der Befehl "FEUER" bedeutet trinken. An solchen Anlässen können Damen ("SCHWESTERN") teilnehmen.

--> Anmerkung: Das Bundeslied wird in Österreich fast nie mehr gesungen, insgesamt wird in den Logen Österreich nicht mehr gesungen. So gibt es auch keine Tafellieder, auch keine Kanonen, Gewehre und kein „Feuer“. Solche Bräuche gibt es aber z. B. noch in England und Deutschland.

Lasst und mit verschlung'nen Händen ... #

Lasst uns mit geschlungnen Händen,
Brüder, diese Arbeit enden
unter frohem Jubelschall.

Es umschlinge diese Kette,
so wie diese heilige Stätte,
auch den ganzen Erdenball!

Lasst uns unter frohem Singen
vollen Dank dem Schöpfer bringen,
dessen Allmacht uns erfreut.

Seht die Weihe ist vollendet;
war' doch auch das Werk geendet,
welches unsere Herzen weiht!

Ein zweiter Text von J.G. Hientzsch 1787-1856 zur selben Melodie ist noch bekannter:

Brüder, reicht die Hand zum Bunde!
Diese schöne Feierstunde
Führ uns hin zu lichten Höhn!
Lasst, was irdisch ist, entfliehen,
Unsrer Freundschaft Harmonien
/: Dauern ewig, fest und schön. :/

Preis und Dank dem Weltenmeister,
Der die Herzen, der die Geister
Für ein ewig Wirken schuf!
Licht und Recht und Tugend schaffen
Durch der Wahrheit heil'ge Waffen,
/: Sei uns göttlicher Beruf. :/

Ihr, auf diesem Stern die Besten,
Menschen all im Ost und Westen
Wie im Süden und im Nord!
Wahrheit suchen, Tugend üben,
Gott und Menschen herzlich lieben,
/: Das sei unser Lösungswort. :/

Fratres, manus coniungatis!
Hora haec festivitatis
Ducat nos ad lucidum!
Fugiamus, quae non pia!
Foederisque harmonia
/:Duret in perpetuum!:/

Deo gratias ingentes,
Qui et animos et mentes
Ad perenne genuit!
Ius ac lumen comparare,
Veritatem non velare
/:Munus nobis sacrum sit!:/

Optimi in oriente
Et sub sole occidente,
Ubicumque partium:
Verum, probum exercere,
Deum, homines fovere
/:Nobis sit propositum!:/

Beachte: Die Komposition, die auch für die österreichischen Bundeshymne gewählt wurde, findet sich zwar im Köchelverzeichnis (KV 623a) im Anhang zur Erstedition der Kleinen Freimaurer-Kantate von Wolfgang A. Mozart, stammt aber von Mozarts Logenbruder Johann Holtzer, Claviermeister aus Korneuburg)

 

Bild 'vischerrosenau'

Freimaurermuseum Schloss Rosenau, Bezirk Zwettl, Niederösterreich.

Die Website des Museums www.freimaurermuseum.at erläutert Wesen und Ziele der Freimaurerbewegung.

Von Anfang April bis Ende Oktober: täglich von 9 bis 17 Uhr.

Von November bis Ende März nach Voranmeldung

Gruppen jederzeit nach Voranmeldung.

--> Der Autor dankt dem Direktor des österreichischen Freimaurermuseums, Herrn Mag. Dr. Rüdiger Wolf, für seine freundlichen Ratschläge sowie für die Bildrechte.