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Bildhauer Adolf Wagner von der Mühl - seine Herkunft und sein Werk
Seite - 109 -
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109Wagner von der Mühl preis ermöglichte, den er für den Linzer „Berggeist“ erhalten hatte. Hier wandelte er ein Jahr auf Goethes Wegen. An den Stätten hellenistischer Kunst, an der Wiege der Renaissance ahnte er die letzten Geheimnisse eines großen Schaffens. Was Adolf Wagner seinem Vaterlande und insbesondere der Hauptstadt seiner oberösterreichischen Heimat an Wer- ken schenkte, das sei in kurzen Strichen hier dargestellt. Die Werturteile darüber entnehmen wir dem Munde eines berufe- nen, Dr. Hermann Ubells, des Linzer Museums-Direktors, der in Heft 4 des begonnenen Jahrganges der Zeitschrift „Eckart“ Wagners Schaffen eingehend beurteilt. Mit seiner Heimat brachte den Künstler der Prämonstra- tenser-Chorherr aus Schlägl, Dr. Laurenz Pröll, in Verbin- dung. Die Linzer Allgemeine Sparkasse wollte der Kapelle der neuerbauten Bundesrealschule einen Altar spenden. Dr. Pröll machte auf Wagner aufmerksam. Dieser schnitzte die über- lebensgroße Gruppe „Lasset die Kleinen zu mir kommen!“ (1910). Der kunstliebende Präsident genannten Geldinstitutes, Julius Wimmer, beauftragte im gleichen Jahre den Künstler, für seine Tochter, Frau Marianne Streit, die ein Kind erwartete, ein Bildwerk „Mutterglück“ zu schaffen. In stiller Hingebung, ganz in ihr großes Glück versunken, reicht die junge Mutter dem Knäblein die Brust. Frau Streit, deren Sohn im Vorjahre bei ei- ner Autofahrt sein junges Leben verlor, überließ das Kunstwerk dem Museum als Leihgabe. Einen Gipsabguß davon hat die in Rohrbach lebende Mutter des Künstlers in ihrem Wohnzimmer aufgestellt. Wer die Stufen des geräumigen Stiegenhauses im Linzer Museum emporsteigt, dem trotzt ein Riese in Wehr und Waffen entgegen. Tausende von kleinen Nagelköpfen bilden seinen Panzer. Wuchtig umklammern die Fäuste den Schwertknauf und kühn ist der Blick in die Weite gerichtet. Es ist der Wehr- mann in Eisen. Dr. Ubell urteilte über dieses ebenfalls von Wagner stammende Werk: „Er ist einer der monumentalsten, wenn nicht schlechthin der monumentalste Wehrmann in österreichischen und deutschen Landen.“ In einer der besuchtesten Anlagen von Linz, auf dem Bau- ernberg, erhebt sich aus buschigem Grün ein weiß schimmern- der Koloß. Wieder stehen wir vor einer Arbeit des Mühlviertler Adolf Wagner. Grollend stützt sich der „Berggeist“ auf eine Felsenbank. Das Gewürm da unten vor seinen Füßen scheint ihn gereizt zu haben. Eine Zornfalte schattet auf seiner Stirn und die Hand umkrallt wurfbereit einen Stein. Dieses Werk trug dem Künstler den schon erwähnten „Rompreis“ ein. Vier für die Torhalle der Linzer Sparkasse bestimmte, durch die Ungunst der Verhältnisse leider noch Modell gebliebene lebensgroße allegorische Figuren: Soldat, Bauer, Klio, Charitas, konnten wir bei der vergangenen Sommer im Linzer Museum veranstalteten Wagner-Ausstellung bewundern. “Es liegt etwas von tragischer Größe in diesen vier Gestalten … Keiner der Besucher der Linzer Ausstellung konnte sich ihrer Wirkung ent- ziehen … Hoffen wir, daß es der Linzer Sparkasse bald möglich sein werde, die oö. Landeshauptstadt um ein Monumentalwerk von erstem Range zu bereichern“, urteilt Dr. Ubell. Die gegenwärtig jüngste Arbeit für Linz ist das Denkmal für die gefallenen Studenten in der Linzer Bundesrealschule. Es ist die Büste eines jungen sterbenden Kriegers mit Sturmhaube. Der halbgeöffnete Mund und die geschlossenen Augen, die eingesunkene Brust und die vorfallenden Schultern stellen mit packender Realistik das schmerzvoll verlöschende leben dar. Wagner erhielt bis jetzt vier Preise. Von seinen zahlreichen Kleinplastiken sei genannt „Der Fußballspieler“, der, wie uns Ubell sagt, „in hunderten von Exemplaren auf der ganzen Welt bis nach Indien und Australien verbreitet ist.“ Als „das Schönste und Reinste, was unserem Künstler bisher gelungen ist“, bezeichnet unser Gewährsmann die im Jahre 1925 mit dem Staatspreis ausgezeichnete Madonna. Es sei noch erwähnt, daß auch unser Mühlviertel der Kunst seines großen Sohnes Heimatrecht gegeben hat. Er hat für Freistadt ein monumentales Kriegerdenkmal angefertigt, von dem Ubell sagt, es sei „dieses durch und durch künstlerisch empfundene Stück eines der wenigen modernen Kriegerdenk- mäler, die eine wirkliche Bereicherung der Kunst bedeuten“. In Rohrbach steht auf seinem Familiengrab ein Christus von ihm, eine feine durchgeistigte Arbeit, in der das Körperliche meisterhaft zurückgedrängt ist. Vom Standpunkt der Kunst und des Heimatgedankens ist es zu bedauern, daß man dem Genie Wagners nicht auch die Schöpfung eines Kriegerdenkmales für seinen Heimatort übertragen hat. Mit berechtigtem Heimatstolz wollen wir die Worte behal- ten, die Dr. Ubell an die Spitze seiner Abhandlung gesetzt hat: „Adolf Wagner ist der hervorragendste und vielseitigste oberösterreichische Bildhauer der Gegenwart.“ – Und dem Künstler entbieten wir aus dem verträumten Wald- winter seiner Heimatberge herzliche Weihnachtsgrüße! -----------
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Bildhauer Adolf Wagner von der Mühl seine Herkunft und sein Werk
Titel
Bildhauer Adolf Wagner von der Mühl
Untertitel
seine Herkunft und sein Werk
Autor
Anton Brand
Verlag
Museumsinitiative Rohrbach
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.0 x 21.0 cm
Seiten
244
Kategorie
Kunst und Kultur
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