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3.3 Briefe1940
I.Herrengasse6
Hochhaus.
L.L.,m.H.,
ich danke Dir viele Male für Deine beiden Brieflein. Das ist recht, daß
sichdieLeuteüberDich freuen!Wirhattenbisgestern schönesWetter,
heute regnet’s. Ich arbeite jetzt nicht mehr so viel wie in den Tagen,
in denen ich den Abschnitt Silverstolpe geschrieben habe, sondern es
bildensichwiederdie schönenBureaustundenheraus.Vorgesternabend
war ichbei Jannings,derheutenachBerlin reist (odervielmehr:bloß in
dieNähe),undgesternwar ichbeiPeperchen.
Den Stifter wirst Du freilich nicht in den Buchhandlungen kriegen (es
sei denn, dass noch eine Insel-Ausgabe aufzutreiben wäre), sondern nur
in jenembewußtenAntiquariat. |
Dem Sándor werde ich das Abzeichen kaufen. Bitte sei auch Du so
lieb,denSedlakzu fragen,wannermirmeinenMantel schickenwird.
Mitder „Wehrmacht“ stehe ich inKorrespondenz.DieLeute schreiben,
dass sie sich nochmals an das Wehrbez.-Kommando gewendet hätten,
mit einer Darstellung der Situation. Wenn das WBK. die Sache zur
Kenntnis genommen habe und danach handeln wolle, so brauche es
nichtweiter zuantworten.Nun, eshat–wiees imAmtsgebrauchsein
soll – nicht geantwortet, und die Leute stehen auf dem Standpunkt,
es sei alles inOrdnung.Werden ja sehen.Eshängtdas natürlichauch
von den weiteren Entwicklungen der Dinge ab. Wenn der Fimbul-Regen
dieweiterenAktionennichthindertundwennVerlustekommen,wird
man auf alle jene zurückgreifen, welche vorläufig zurückgestellt sind.
Jedenfalls könnendieseMonatebisNovemberüberdenganzenKrieg
entscheiden, – aber | sie müssen nicht. Es ist möglich, dass, was immer
geschehe,ohneEinflussaufallesweiterebleibt.
Es ist, schließlich, auch nicht meine Aufgabe, über diese Dinge, wenn
sienichtganznaheliegen,nachzudenken. Ichdenkeentwederanandres
oder an meine Arbeit. Ich glaube, meine Arbeit ist deshalb so schwierig,
weil ichbeständigaußerordentlicheMöglichkeitensehedie ichentweder
keine Zeit habe auszuführen, oder wozu ich zu faul bin oder überhaupt
keine Lust habe. Die Schwierigkeit also ist die, aus einem enormen
Vorrat einebeschränkteMengevonMöglichkeitenauszuwählen.Denn
denganzenVorrat zuerschöpfen,dazuscheintmirdieZeitnochnicht
gekommen. Es würde, was ich schriebe, verpuffen, – und man soll,
für später, immer noch ein wirkliches Programm haben, nicht bloß
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik