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3.5 Briefe1942
d.1. Jan.1942.
N.
112)AnMariaCharlotteSweceny,St.Wolfgang,3.1.1942
M.l.H.,
heute fahre ich nach Berlin. Ich bin, sonderbarer Weise, nicht so
traurig, wie ich es eigentlich sein sollte. Ich denke darüber nach, warum
ich es nicht bin: – ich weiß es aber nicht. Vielleicht liegen für mich in
der Zukunft doch weniger arge Dinge als die es sind, auf die ich immer
gefaßtbin.Vielleicht sind siedennochärger,undmeinGefühl spiegelt
mir nur etwas vor. Das Schicksal gibt uns viele Zeichen, es verrät sich
selber fortwährend, aber wir können die Zeichen nur sehr selten deuten.
MeinHase,wannwerde ichDichwiedersehen?Vielleichtbald, viel-
leicht lange nicht. Indem ich das bedenke, werde ich doch traurig. Denn
ichhabeDich sehr lieb.
Ich fahreüberSalzburgundMünchen.Es schneit ganzdünn. Ichgäbe
vieldafür, könnte ichnachWien fahren. Ichwürde inmeinemZimmer
sitzen,undmeinHasewürde, einwenig schräg,hereinhopsen.
Ichmuß jetztdenBrief schließen,meinHase,undmichanziehenund
fortfahren.
DasLiebste,mein lieberHase!
St.W.,
d.3. Jan.1942.
N.
113)AnMariaCharlotteSweceny,Berlin, 4.1.1942
M.l.H.,
ich bin heute hier angekommen und habe den Hasen, den Du mir
geschenkt hast, gleich auf den Tisch gestellt. Die Fahrt ist langwierig
undunangenehmgewesen. IchhabenachmeinerAnkunftmitPodehl
gesprochen, – es ist noch nichts entschieden, aber er sagt, die Lage
werde als schwierig bezeichnet. Allerdings hat er diese Auskunft nur
von einem Sekretär erhalten. Es sind alle maßgeblichen Leute noch auf
Urlaub, aber morgen wird alles wieder im Amt sein. Zwischen fünf und
sechs ruft er mich morgen an, um mir mitzuteilen, ob es etwas neues
gibt.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik