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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 183 -
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3.5 Briefe1942 115)AnMariaCharlotteSweceny,o.O. [Berlin], o.D. [ca. 14.1.1942] M.l.H., ich schreibe Dir dieses Brieferl am Morgen, bevor ich nach einem Orte fahre, welcher Lübben heißt. Dieser Ort liegt etwa anderthalb StundenvonBerlin,und ichhabedaeinewichtigeBesprechung ineiner Filmsache,die rechtaussichtsreich ist. Ichhoffe,Dirdarübermündlich berichten zu können. Es handelt sich um einen sehr groß angelegten Film,anwelchemallerhandwichtigeStellen interessiert sind. MeineUrlaubsangelegenheit istnoch immernichterledigt,dochheißt es: wenn die eine nicht ginge, so ginge die andre. Nur ist’s möglich, daß es dann noch ein paar Tage länger dauert. Mir ist an allem das Betrüblichste,dassDu,meinHase,Dichwahrscheinlichdarüberkränkst, wenn die Zeit so vergeht, – wie es ja überhaupt sehr merkwürdig ist: so glücklich ich bin, daß ich den Hasen habe, umso schmerzlicher wird mir alles, was mich von dem Hasen entfernt. Denn ich stelle mir vor, daß der Hase dasitzt, und ein wenig unruhig im Zimmer herumhopst und nicht recht weiß wohin, und die Schnauze hin und her bewegt und mit den Schnurrbarthaaren | wackelt, und so, – kurz: daß der Hase nicht ganzdans sonassiette ist. Ich muß es zugeben, man ist hier sehr nett gegen mich. Alle haben sich sehr darüber gefreut, dass ich Oberleutnant geworden bin, und wennderKriegnochbis zumAugustdauert, soll ichRittmeisterwerden. Vielleicht istesmirbestimmt,eszuwerden,esgibtDinge,die inderLuft jedes Lebens liegen, und ohne die das betreffende Leben keine andre Wendungnimmt, ehees sieerreichthat.Es istderTribut,denmanan die Bedingtheiten seines Lebens zahlt. Mein Leben ist eigentlich ganz anders geworden, als ich gedacht hatte. Aber auf eine Art geht es so weiter,wie ichesgedacht, als ichachtzehnJahrealtwar. Vor dem Schlafengehen lese ich immer noch ein wenig im Stifter, – es istdannaufderGasse schonganz still, unddieLektüre ist eine sehr edle. Dieser „Nachsommer“ ist ein Buch, bei dessen Lesen man glauben könnte, das Leben müsse sich vollenden. Nun, wahrscheinlich vollendet sich’s auch, – doch nicht immer auf die Art, auf die wir glauben. Aber eineVollendung ist’s in jedemFalle. Ich war in einem Furtwängler-Konzert. Er begann mit Händel. Das war sehr schön. Aber später kam Brahms, | und das war schrecklich 183
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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