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3.5 Briefe1942
Es ist mir natürlich sehr schwer, von hier aus etwas zu diesem Fall
zu sagen.Auch inWienselbst (wo ichetwaam10.Mai zu seinhoffe)
stünde ich recht ratlosda, –vorallemwohldeshalb,weilmir eineArt
der Reaktion wie bei O.C. im Wesen fremd wäre. Ja ich möchte fast
sagen:wenneine solcheReaktionüberhauptmöglich ist, so ist ausder
Situation nichts mehr zu machen. Ich wünsche ihm von ganzen Herzen,
dass er nicht in Lagen kommen möge, in welchen in [sic!], später, seine
Heftigkeit reut. Denn im Grunde geht es ihm noch immer viel besser
als andern, und seine Stimmungen sind ein Luxus. Nicht, dass man sich
keinenLuxusgönnensollte:wennaber,dannnureinensehredlen ...
unddies, fürchte ich, ist nichtderFall.
Nun, wenn ihr zusammen verreist, werdet Ihr Euch vielleicht in Ruhe
überdieseDingeaussprechenkönnen.
Meine Situation ist jetzt diese: ich „soll“ am 10. Mai | auf einen
Monat–bis zum10. Juni also–beurlaubtwerden. Ichbinnochnicht
sicher, obdasgeht.DengrößtenTeil dieserZeitwerde ichwohl inPisa
verbringen müssen. Ich werde aber von hier über Wien, wo ich mich auf
ein paar Tage aufhalten will, reisen, und auch über Wien zurückkehren.
(In Wolfgang bleibe ich wohl nur 24 Stunden). Dann will ich auf 3
Wochen – also bis zum 1. Juli – hierher zurück, um danach den Bavaria-
Urlaub anzutreten. (Es wäre aber nicht ausgeschlossen, dass sich der
Bavaria-Urlaub direkt an Italien schlösse ...) In der Zeit also, wo Du
mitO.C. verreisenwillst,wäre ichohnediesnicht inWien.
DiesdasProjekt;und ichunternehmealles, – sogar rechtkomplizierte
undpsychologischeDinge,umes indieTatumzusetzen.
Mein lieberHase! Jetzt istmirbesonders leid,dass ichDichnicht an
derPfote führenkann.Aber ichwerdeDich schonwiederanderPfote
führen.
FürheutenurdieseZeilen.UnddasSchönsteundLiebste!
Berlin
d.23.Ap.1942
N.
125)AnMariaCharlotteSweceny,Berlin, 28.4.1942
M.l.H.,
DeinBrieferl, inwelchemDumir schreibst, dassDunachHr. fährst,
habe icherhalten,undgewißwirstDuauchmeinenBrief schonbesitzen,
denichDirdorthingeschriebenhabe. Ichfreuemichsehraufrichtig,dass
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik