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3.5 Briefe1942
d.3.Mai1942
N.
129)AnMariaCharlotteSweceny,Berlin, 6.5.1942
LiebsterHase,
ich habe Dir heute ein Telegramm geschickt, daß ich am Samstag
nicht fahrenkann.DerGrunddavon ist, daßsich, ausmirnichtweiter
überblickbaren Motiven, der Beginn der Fahrt nach Italien verzögert. Es
muß das irgendwelche internen Ursachen haben, die Produktion u.s.w.
betreffend. Ichwill dasauchnichtnäheruntersuchen,denn ichdenke
mir schon seit einiger Zeit, daß es vielleicht ganz gut wäre, fände die
ganze italienischeGeschichteüberhauptnicht statt.Dennsiewürde, je
weiter sie zurückgelegtwird, immermehrmitdemUrlaubkollidieren,
den ichmir, viadieBavaria, geben lassenwill. Ja ichbaueso sehrauf
den Bavaria Urlaub, dass ich mir ernsthaft überlege, den Urlaub für
Italien, falls ich ihndochbekäme,abzulehnen ...
IchhabeheuteauchschoneinTelegrammandieBavarianachMün-
chen geschickt, um recht bald zu einem endgiltigen [sic!] Abschluß mit
den Leuten zu kommen, und um zu veranlassen, daß für mich der |
Urlaub,überdasMinisterium,eingereichtwird.DiesenUrlaubwürde
ichaber,wenndie Italienreiseausgefallenwäre,nicht erst,wie ichur-
sprünglichgeplanthabe,am1.Juliantretenwollen, sondernschonetwa
umden1. Juniherum.UndeswäremeineAbsicht, zunächst3Monate
Urlaub(also Juni, Juli undAugust) zubeantragen.
Was sagstDuzudieserWendungderDinge?Ansichwärees,wenn
es so käme, wie ich’s oben geplant habe, ja günstiger. Nur wäre mir
gräßlich leid, dass ich Dich dann bis Ende dieses Monats nicht sehen
täte.Aber ichglaube: eswäredochbesser,wenn ichdann längereZeit
Urlaub hätte und mir diese Chance nicht gefährden würde, als wenn ich
jetzt – vor Italien, und nach Italien, – ein paar Tage in Wien wäre, dafür
aberdergrößereUrlaub inFragegestelltwäre.
Ich sitzehier inderarisiertenVilla,wodieGeisterder schwedischen
JudennochdurchdieRäumegeistern,undschreibeDirdiesenBrief. Ich
bin,wenngleich ichmir vorAugenhalte, daßdieWendung,welchedie
Dinge genommen haben, günstiger sein kann als die Art, auf welche sie
bishergelaufen,nicht sehr|glücklich.DenndasResultatmeinerÜber-
legungensteht inZwiespaltmitderUnannehmlichkeit, odervielmehr
Langweiligkeit, des Augenblicks. Ich bin nun fast schon zwei Monate
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik