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entscheidender Sachen dazu zu sagen hatte, so engagierten sie mich,
zugleichmit einemHauptmannGais, zumEntwurfundspäter fürdas
Drehbuch. Die Kohlhaasgeschichte soll nämlich als Beispiel für die neue
Rechtsauffassung gebracht werden, die Angelegenheit gilt für sehr wich-
tigundmanrechnetdamit,michdurchdirektenBefehl vonhochoben
herunter, ausmeinemjetzigenDienstverhältnisherausziehenzukönnen.
Nungibt esalso schondreiodervierAbläufe,diealledarauf zielen,
mich in absehbarer Zeit herauszuholen. Es ist schwierig, alle diese
Bestrebungensozu regulieren,daßsieeinandernicht stören, sondern
so lange fördern,bisdiewichtigstedavonübrigbleibtunddieanderen
ausscheiden.AbermitGottesHilfewill ich’s schonzusammenbringen.
Heute früh mußte ich also den Entwurf besprechen, den der andre
schreibt, den ich verbessre und der morgen fertigwerden soll; dann
mußte ich nach Ruhleben. Dann fuhr ich auf den Kurfürstendamm zum
„Lunch“; dann fuhr ich in den Grunewald, um Dienst zu tun; dann
werde ich heimfahren, muß mich umziehen und werde zwei Leute
von der Bavaria empfangen, um gewissen Veränderungen, die an der
„Regimentsmusik“vorgenommenwerdensollen, zubesprechen;dann
| muß ich wieder nach dem Westen, um zu essen, – zu „dinieren“;
dann muß ich wieder in den Kaiserhof, wohin der Hauptmann Gais mit
demEntwurf zumKohlhaaskommenwird,und ichmußdenEntwurf
überarbeiten; dann, wenn kein Alarm sein wird, darf ich schlafengehen:
merkwürdig,wasmanalleszu tunhat,wenndieeigentlicheArbeitnoch
nicht imGange ist.
Mein Hase, ich bin sehr neugierig, was Du mir in Deinem nächs-
ten Brieferl schreibst. Daß Max F. seine Entwürfe zu Salzkammergut-
Heilbädern inAppesbach inSicherheit bringenwill, finde ich rührend.
Gutdagegenfinde ich’s, dass Ihr vonEurenSacheneinigesverteilt.
Bitte, lieber Hase, vergiß ja nicht, mir sofort wieder Packerln zu schi-
cken.DieHechtkönntemireigentlichauchwiederetwasGebackenes
senden.
Der Leander-Film ist ein grotesker Erfolg. Ich sage ja, dass ich vom
Filmnichts verstehe.
Ichhoffe sehr,DuhastDich inWienwiedereingewöhnt. Ichwollte,
ich wäre auch schon wieder dort und könnte Dich an der Pfote hin- und
herführen. Weil Du sonst ganz ratlos herumspringst. – Das Essen ist hier
jetzt in keiner so opulenten Strähne wie anfangs September, das sind
alles sozufälligeSchwankungen, jenachdemmanoft eingeladenwird,
oderFischeda sind,undso. –DasLiebsteundSchönste, lieberHase!
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik