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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
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6.2 „DergeboreneVerleger“:MarkusStein,derGroßvater 6.2.3 KonversionzumProtestantismus In seinem Bestreben, die ländlich-jüdischen Wurzeln möglichst bald hinter sichzu lassen,glichMarkusSteinderüberwiegendenMehrzahl dervorallem inder zweitenHälftedes 19. Jahrhunderts ausdenKron- ländern der Monarchie in die Hauptstadt ziehenden Juden. Den letzten Schritt zur vollständigen Assimilation, die Ehe mit einer nichtjüdischen Partnerin, vollzog jedocherst seinSohnRichard.34 MarkusSteinwarzueinemZeitpunktnachWiengekommen,dadie Voraussetzungen für Zuwanderer aus dem ländlichen Raum, jüdische zumal,besserwarendenn je:1848warendieWohn-undAnsiedlungsbe- 34 Die „Mischehe“markiert inderAssimilations-TheorieMiltonM.Gordons (Assimilation in American Life, 1964) – auf die sich auch Rozenblit bezieht – die dritte und letzte, die „strukturelle“ Stufe der Assimilation (nach der kulturellen und der sozialen); eine Stufe, die, so lautet einederHauptaussagenRozenblits, durchdieHerausbildungvonGrup- penzugehörigkeitsgefühlender jüdischenZuwandereruntereinandereineBegrenzung erfuhr. Diese Tatsache wurde auch vom Zionismus kritisiert: „Das Ghetto besteht inner- lich fort“, schrieb Theodor Herzl 1896 in seinem Judenstaat (zit. nach Rozenblit: Die JudenWiens1867–1914,S.15).Esbliebalso indenmeistenFällenbeiderAkkulturation (die etwa der ersten Stufe der Assimilation nach Gordon entspräche). Die besondere Bildungsaffinität jüdischer Zuwanderer, die doch – mit Heinrich Heine – das „Entreebil- let zurEuropäischen Kultur“ (in Gedanken undEinfälle 1845–1856; unterder gleichen Überschrift, „Verehrung fürRom“,nenntHeineJudäaein „protestantischesÄgypten“) sichern sollte,wurde so ineinerunerwartetendialektischenWendungzurAssimilations- bremse: „Weltliches Wissen zu erlangen, stellte eine jüdische Gruppenaktivität dar, und dieGruppennaturdieserErfahrungmodifizierteundverminderteAssimilation“ (ebd., S.132). Dass der Begriff der Assimilation problematisch ist, weil er „sich auf soziale, kulturelle und psychische Prozesse [bezieht], als ob sie ein und dasselbe wären“, hat u.a. Shulamit Volkov thematisiert – „zweitens tendiert er dazu, die diesen Prozessen innewohnenden Wechselwirkungen zu verschleiern; und drittens bezeichnet er zugleich einen Prozeß und seine Ergebnisse“ (Shulamit Volkov: Antisemitismus als kultureller Code.ZehnEssays. 2., durcheinRegister erw.Aufl.München:C.H.Beck2000,S.132). Für die Juden selbst hatte der umgangssprachlich verwendete Begriff „Assimilation“ jedoch imausgehenden19. JahrhundertpositiveBedeutung(ebd.). (Assimilationals Angleichung einer ethnischen Gruppe an eine andere – so das zeitgenössische Begriffs- verständnis – führt gerade in Bezug auf das ethnisch inhomogene Judentum der Wiener Jahrhundertwende von vornherein in die Irre.) Die „kulturelle Angleichung“ – oder eben Akkulturation – war für jüdische Bürger leichter zu bewerkstelligen als die soziale Integration: Nicht selten waren sie bereits „akkulturiert“ nach Wien gekommen bzw. hatte sie ihre an ihren ländlichen oder kleinstädtischen Geburts- und Ausbildungsorten bereits erfolgte Akkulturation dazu bewogen, nach Wien zu ziehen. Jedenfalls: Die Juden Wiens „waren bestrebt, sowohl eine jüdische als auch eine europäische Identität herauszubilden,undsiewarenehrlichdavonüberzeugt,daß ihnendies schließlichauch gelingenwürde. DieGegebenheiten imÖsterreich dieserÄramögennicht dazuangetan gewesen sein, dieses Ziel zu erreichen, doch das konnten die Juden Wiens nicht wissen“ (Rozenblit:Die JudenWiens1867–1914, S.195). 343
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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