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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Seite - 346 -
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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts logischer Gründe nach Wien. Die Juden aber, die sich in Wien ansiedelnwollten, faßtendiesenPlanmeist ausGründen,die für das österreichisch-ungarische Judentum spezifisch [...] waren.Si- cherlich bot Wien ihnen größere wirtschaftliche, kulturelle und bildungsmäßigeChancenunddarüberhinausauchnochgrößeres Prestige und Status. Auch bildete es einen Zufluchtsort vor provin- ziellemAntisemitismus,der sichoft inwirtschaftlichemDruckauf jüdische Kaufleute und Händler äußerte und deren Verarmung zur Folge hatte.Doch warauch Wienselbst dieBühne antisemitischer Demagogie, aber die tschechischen, polnischen und ungarischen Juden fühlten sich dieser Stadt auf so vielfältige Weise sprach- lich, kulturell und ideologisch verbunden, daß für sie neben dieser mächtigen Anziehungskraft die Drohung des Antisemitismus völlig verblaßte.44 Die zuwandernden Juden identifizierten die Hauptstadt mit den fort- schrittlichen Strömungen, die ihnen im Jahr 1867 die Emanzipation gebrachthatten–dasmeintewohlauchMarkusStein,wenner sagte: „[...] die langersehnteStadtöffnetuns ihreArme.“45 DieJudendieser ersten Einwanderungswelle46 waren in aller Regel am deutschen Kultur- gutorientiert, gut ausgebildetundverfügtenzumTeil –wiederLehrer undBuchautorMarkusStein–auchschonübereinengewissen,meist bescheidenenWohlstand. Über Markus Steins Verbundenheit mit dem Judentum ist nicht viel bekannt. Er dürfte es jedoch mit der Religion seiner Väter nicht allzu streng genommen haben. Sein Beruf als Angestellter war immerhin mit Samstagsarbeit verbunden,diegläubigenJudenverboten ist.Rozenblit hat gezeigt, dass „Angestellter bei einer Privatfirma [...] zu einem jüdi- schen Beruf“47 wurde: Hier waren die vergleichsweise gute Bildung und die (meist klein-, aber doch immerhin) städtische Prägung, die viele Ju- den– imGegensatzzunichtjüdischenZuwanderernaus ländlichen,vom AnalphabetismusgeprägtenGegenden–mitbrachten, gut einsetzbar. 44 Rozenblit: Die JudenWiens1867–1914, S.35. 45 M.Stein: „UnserRomanbeginnt ...“ S.[1]. 46 Rozenblit unterscheidet drei große Einwanderungswellen: 1.) tschechische Juden in den1850er-und1860er-Jahren,2.)ungarischeJudenbis indie1880er-Jahreund3.) Juden aus Galizien von ca. 1895–1914 (vgl. Rozenblit: Die Juden Wiens 1867–1914, S.29). 47 Ebd., S.77. 346
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny Briefe 1938-1945
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Titel
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Untertitel
Briefe 1938-1945
Autor
Christopher Dietz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78887-4
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
468
Kategorien
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