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6.3 „RastlosePflichterfüllung“:RichardStein,derVater
6.3.4 DerErsteWeltkrieg
ZumEngagementderVerlegerfamilie indenSphärenderschönenKünste
passte gut, dass sich der Verlag am Vorabend des Ersten Weltkriegs auch
denbelles lettreszuwandte– freilichmitpädagogischemHintergrund:
Die Reihe „Neuere Dichter für die studierende Jugend“ der Herausgeber
Alois Bernt und Johann Tschinkel führte Werke von Anzengruber, Ei-
chendorff, Grillparzer, Hebbel, Ibsen, Kleist, Mörike, Stifter und anderen
imProgramm.DerVerlagwarnun indenBereichenPädagogik,Recht
undLiteratur einedererstenAdressenderMonarchie.
Der Erste Weltkrieg stürzte dann die Verlagsbranche im allgemei-
nen und den Verlag Manz im besonderen in eine schwere Krise.110 Es
mangelteannahezuallenMaterialien, vorallemanPapier; außerdem
entzogendieEinberufungendenBetriebendasPersonal.DieLagewar
katastrophal, auch bei Manz. Was sich in den bisherigen Jahrzehnten
als günstig für die wirtschaftliche Entwicklung des Hauses erwiesen hat-
te,nämlich seinedominanteRolle im juristischenBereich,wurdedem
Verlag nun beinahe zum Verhängnis: Die politischen Veränderungen im
Zuge der Auflösung der Monarchie und der Errichtung der Republik,
die zwangsläufig auch eine Neuordnung von Staat und Rechtssystem
mit sich brachten, machten große Teile des Verlagsprogramms – und
damit des Lagers – zu Makulatur, darunter etwa die ebenso bedeutende
wieeinträglicheSammlungzivilrechtlicherEntscheidungendesObersten
GerichtshofesvonJuliusGlaserundJosephUnger.111 „Auf juristischem
GebietewarManzzweifellos inÖsterreich führend.Naturgemäßhatder
Umsturz und die Auflösung des Reiches daher diesen Verlag auch am
unmittelbarstenberührt“,112 schreibtCarlJunker(1864–1928),Chronist
des österreichischen Buchhandels. Die Schrumpfung der Doppelmonar-
chie zueinerkleinenRepublikbedeuteteauch fürdieSchulbuchsparte
einenempfindlichenVerlust anAbsatzgebieten.
EinederStrategien,dieexorbitantenVerluste zukompensieren,be-
standdarin,den fürÖsterreichgünstigenValutenkursunddiedadurch
vergleichsweisebilligenHerstellungskostenauszunutzen.1920gründe-
ten die Steins die „Edition Manz-AG“ mit dem Verwaltungsratspräsiden-
110 Vgl. hierzuv.a.Hall:ÖsterreichischeVerlagsgeschichte I, S.47ff.
111 Vgl.R.Stein: Festrede100JahreManz,S.8.
112 CarlJunker:DerVerlagsbuchhandel inderRepublikÖsterreich.Betrachtungenanläßlich
der ersten Wiener Buchmesse. In: Murray G. Hall (Hrsg.): Zum Buchwesen in Österreich.
GesammelteSchriften1896–1927.Wien:EditionPraesens2001,S.180–192,hierS.184.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik