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6.5 Nachdem„Anschluss“
Emmyv.SaxundFrauHeleneWingergeboreneStein indieWege
zu leiten beschlossen haben. – Eine definitive finanzielle Auseinan-
dersetzung ist zummindesten [...] imgegenwärtigenAugenblick,
wo die wirtschaftlichen Auswirkungen des Umbruchs auf unsere
Firmanochnicht zuübersehensind,naturgemässnichtmöglich. –
WirbeabsichtigendaherdieLösungdieserFragemeritorischeinem
späterenZeitpunkt vorzubehalten.203
Zwei Tage später, als – wie sich später herausstellt, irrtümlicherweise204
– davon ausgegangen werden muss, dass auch Roberts Halbbruder Otto
„Volljude“ ist, schreibtRobertSteinanHaider:
Jedenfallsmüssenwir sobaldals irgendmöglich soweit kommen,
dass wir bei den immer wieder an uns herantretenden Anfragen
über die Konstruktion unserer Firma das Ausscheiden sämtlicher
nachdenNürnbergerGesetzen jüdischerTeilhaberals tatsächlich
invollemZugebefindlichwahrheitsgemässangebenkönnen.205
Zielmussteesnunalso sein,dienochanderFirmabeteiligten „volljü-
dischen“GeschwisterEmmyundHeleneauszubezahlenbzw.ausdem
Register zu löschen: „Die Inhabung der Firma würde dann aus einer
vollarischen Mutter mit ihren 4 nach Nürnberger Gesetzen halbarischen
Kindern bestehen.“206 Erwin und Paula waren bereits nach dem Tode
ihres Vaters Markus (1935) ausbezahlt worden. Als Gesellschafterin auf-
genommenwerdensolltehingegendieMutterFriedaStein-Klinkhardt,
nach den „Nürnberger Gesetzen“ eine „Arierin“. Die frühe Scheidung
von ihrem Mann Richard Stein wirke sich in diesem Zusammenhang
sogargünstigaus,hoffteRobertStein:
Bemerkt sei, dass meine Mutter nach den Nürnberger Gesetzen
heute den Vorzug hat von unserem Vater bereits im Jahre 1920
rechtsgültig getrennt zu sein. – Dies hat ihr gewissermassen ihr
100%iges Vollariertum bis in die frühesten Jahrhunderte trotz ihrer
EhenachdenNürnbergerGesetzenzurückgegeben.207
203 RobertStein:Brief anHansHaider (SteinFA).Wien.22.März1938.
204 EinBriefRobertSteinsandenRechtsanwaltErnstGeutebrückenthältdieBemerkung,
dassOttoSteininderZwischenzeit„arisiert“wordensei;ders.:BriefanErnstGeutebrück
(SteinFA).Wien.24.Nov.1941.
205 Ders.:Brief anHansHaider (SteinFA).Wien.24.März1938.OttoStein,derHalbbruder,
wurde schließlichausbezahlt.
206 Ebd.
207 Ebd.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik