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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
verbrachte Lotte Sweceny ihre Tage nicht in Müßiggang: Auf Rech-
nungen im SteinFA sowie im Adressbuch von Wien256 findet sich die
Berufsbezeichnung „Dolmetsch“. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete
sie imSommergelegentlichalsFremdenführerin fürenglischsprachige
GästeundnahmUnterricht imModezeichnen.257
Die Abgehobenheit258 Lotte Swecenys, ihr einem regulären Broter-
werbEnthoben-Seinbegünstigte ihr Interesse fürFragenderPhilosophie,
der Literatur, aber auch der Astrologie und der Mystik.259 Im Werk –
und wohl auch in der Person – Alexander Lernet-Holenias fand sie viele
ihrer eigenen Interessen und Neigungen wieder: „Wollen Sie mich nicht
einwenig teilhaben lassenan IhrerArbeit? – Ich trauemir genugEin-
fühlungsvermögenzu,michnichtgeradedortmitMeinungbemerkbar
zu machen, wo es nicht sein soll und erwarte wirklichen Genuß vom
Miterleben dürfen.“260 Zur Teilhabe an Lernets Werk kam es dann auch,
wenn auch vielleicht auf andere Weise, als Lotte Sweceny es sich vor-
gestellt hatte: Lernet-HolenianahmfürdieLiebesgeschichtezwischen
Cuba Pistohlkors und Graf Wallmoden im Mars im Widder die Situation,
so bin wie ich bin. [...] der Zwang von außen zu irgendwelchen Taten [war] weit
schwächeralsbei anderen. [...]Wenn ichmir someineUmgebunganschau,wiedie
sichüberpurzelnundvorbei gejagtwerdenamWichtigenfinde ich ihre leichtneidige
Verachtungzwarnichtberechtigt, aberbegreiflich.“
256 StichprobeausdemJahr1949.
257 „Iwill, possibly,beable in summer toget the same job Ihad last year, kindofgentleman
guide for English people. I liked it very much. [...] I’m a very lucky person, still not
working in any office and so able to do and plan what I like to do. [...] I know, you do
think now, oh those lazy Austrians! I am, but most of my friends do work very hard; but
wearepoorbeggarsandyouarenot“ (vgl.MariaCharlotteSweceny:Briefkonzeptan
BetsyundReidDenis [SteinFA].Wien.o.D. [nach1945]).
258 „Die Lotte könnte man bezeichnen als eine – wie soll ich sagen: die war sehr abge-
hoben. Die hat ja nichts gearbeitet. [...] Sie war eine Frau in einer sehr kritischen
historischen Emanzipationsphase“ (Markus F. Stein: Persönliche Mitteilung an den
Verfasser [Tonbandprotokoll].Wien.16. Juli 2009).AnMilanDubrovic schreibtLotte
Sweceny einmal aus St.Wolfgang, wo sie für Lernet Schreibarbeiten verrichtet: „Am
Schluß werde sogar ich noch ein reichsdeutsches Arbeitstier – weitgebracht – es ist
eben dasMittel, an persönlich unangenehme Dingenicht denken zu müssen.Oder, ein
Glücklicher hat leichtnix arbeiten“ (Maria Charlotte Sweceny: Brief anMilan Dubrovic
[WienB, Handschriftensammlung, Nachlass Milan Dubrovic, ZPH 944, Archivbox 3]. St.
Wolfgang.25.Mai1944).
259 ImFamilienarchivfindensichzahlreiche fürundvonLotteSwecenyerstellteHoroskope;
NeffeMarkusberichtetu.a. vonspiritistischenSéancen(MarkusF.Stein:Persönliche
MitteilungandenVerfasser [Tonbandprotokoll].Wien.16. Juli 2009).
260 MariaCharlotteSweceny,BriefkonzeptanLernet-Holeniavom5.(?)Juli1938(SteinFA).
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik