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6.6 MariaCharlotteStein (verh.Sweceny)
können, das hat aber gewiß nichts mit Deinem Wert zu tun, der
wäre vorhanden, aber ich, ob ich will oder nicht, gäbe jede Basis
für irgendwelcheSelbstachtungauf, das,worauf ich,nichtobder
Leistung, sonderndesPrinzipeswegen, ich stehe fürmichein, stolz
binund ichbrauche, auchwennesnichtganz leicht erkämpft ist,
meine Selbstachtung heute dringender denn je. Und Dir, geschieht
Dir einUnrechtdamit?–Duhast immerehereinenKerl zurFrau
habenwollenals einbravesWalperl.282
Aufschlussreich ist der Bezug Lotte Swecenys auf ihren Vater Richard
Stein,dessenAnspruchaufUnterordnungsiehieralsmit ihrerSelbst-
achtungunvereinbaranführt.283 BeiOttoC.Sweceny,densieals „nobler
u. selbstloser als die meisten anderen Menschen“284 schildert, konnte
siemitToleranzundRespekt rechnen.
Ob die Beziehung zu Lernet-Holenia Folge oder Auslöser der Ehekrise
war,warnicht festzustellen(und tut letztlichnichts zurSache).Mehrere
Konzepte,die sichdurchdenZusammenhangaufdenOktober1939–
dieZeit, zuderLernetvom„Polenfeldzug“zurückkehrt–datieren lassen,
dokumentieren jedenfalls für diesen Zeitraum eine erneute schwere
Krise zwischen den Eheleuten Sweceny; man lebt getrennt, Freunde
legendieScheidungnahe.
In Dubrovic’ Hommage an den Kreis von Hochrotherd ist von all dem
freilich nichts zu lesen. Das Verhältnis Lotte Swecenys mit Alexander
Lernet-Holenia blieb jedoch auch auf den Freundeskreis nicht ohne
Auswirkung, ja, es spaltete ihnerwartungsgemäß inzweiLager: eines,
das für LottePartei ergriff, undein anderes, das es mit ihrem Ehemann
hielt.
Es ist auch ganz ohne Zweifel, daß Peter durch seinen aufregenden
Beruf derjenige von uns beiden ist, der den größeren Anspruch
auf Nachsicht hat, und speziell Anspruch aufRücksichtnahme von
meinerSeite.Es istEuch janichtmöglichzubeurteilenob ichdie
auchübe– Ihrmeint jedenfallsnachdemwas Ihr zubeobachten
Gelegenheithattet,nichtgenügend. [...] fragt sichnurob ichnicht
auch gerade von meinen Freunden Nachsicht erwarten kann, denn
282 Maria Charlotte Sweceny: Brief an Otto C. Sweceny (SteinFA). o.O. [Attersee]. 15. Aug.
1938.Walperl (österr. ugs.)=schutzbedürftiges, naivesGeschöpf.
283 In einem Briefkonzept schreibt sie auch davon, dass ihre Mutter Frieda Stein unter
dermangelndenEmpathiefähigkeit ihresMannes sehrgelittenhabe(MariaCharlotte
Sweceny: Briefkonzept anWalter Stein [SteinFA].Wien. o.D. [nachEndeJuni 1945]).
284 LotteSweceny:UndatiertesBriefkonzeptanAlexanderLernet-Holenia (SteinFA).
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik