Seite - 398 - in Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny - Briefe 1938-1945
Bild der Seite - 398 -
Text der Seite - 398 -
6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
AlsO.C.SwecenydieseZeilen schreibt, ist auchdieBeziehungzwischen
LotteSwecenyundAlexanderLernet-Holenia schonseit Längeremzu
Ende.291 „Du, Neni, scheinst mir der, mit dem es möglich scheint eine
Zeit halbwegs richtig zu leben u. sei es auch nur in Gedanken“, hatte
Lotteeinmal ihrem„Neni“geschrieben,292 wohl schon indemWissen,
dass sie die meiste Zeit auf ihre Gedanken angewiesen sein würde.
Die Abkommandierung Lernets in die Heeresfilmstelle nach Berlin im
September1941hattedieBeziehungeinerwichtigenGrundlageberaubt;
Ende1942wardannvermutlichdieTrennungdesPaars erfolgt.293
Lotte Sweceny verkehrt jedoch noch freundschaftlich mit Lernet und
verrichtet auchweiterhinSchreibarbeiten für ihn.294 ImMai1944,als
sie bereits von ihm getrennt und er bereits mit seiner späteren Frau Eva
Vollbach liiertwar, schreibt LotteanMilanDubrovic:
[...] unter den Bekannten herrscht die Meinung, daß ich Eva ‚den
Gattenraube‘,was sozumLachen ist,daßmanfastweinenmöchte,
dennman istdoch immerviel zuempfindlichundeswird jaauch
nichts gesagt, aber man begegnet einer schwer zu fassenden Kälte
[...].Alexanderhat,wennman’s sehenwill, sichohnehingegen
michnett genugbenommen undmitderZeitmüssen’sdieandern
ja kapieren, daß ich nicht aufdringlich bin und nur das mit und
von ihmhabewaser selberwill.Dannwerden„dieLeute“wieder
scheißfreundlich sein und es ist nicht mehr wert, als wenn sie
unfreundlich sind.295
Es ist schwer zu beurteilen, ob das ehemalige Liebespaar tatsächlich
einen fürbeidebefriedigendenModusvivendigefundenhat.Noch im
Juli 1945 – es ist dies der letzte im Archiv der Familie Stein überlieferte
Brief zwischen den beiden – schreibt Lotte Sweceny besorgt, aber guter
DingeausdemzerbombtenWien: „Ichhoffe sehr,daßendlichdochgute
291 Vgl.Kap.2.2.6.
292 LotteSweceny:UndatiertesBriefkonzeptanAlexanderLernet-Holenia (SteinFA).
293 Vgl.Kap.2.2.6.
294 „Ichhabe tatsächlichviel fürAlexanderzuschreibensonsthätte ichesanEuchschon
getan,weil ich immergerneauchvonEuchhörenmöchte“ (MariaCharlotteSweceny:
Brief an Walter Stein [Besitz Barbara Netscher, Ronneburg]. Wien. 17. Mai 1944). Noch
1946 widmet Lernet ihr einige seiner Bücher mit „Dem Hasen“ und „Dem Hasentier“
(Bücher imBesitz vonAntonC.Hilscher, Sulz).
295 MariaCharlotteSweceny:Brief anMilanDubrovic (WienB,Handschriftensammlung,
NachlassMilanDubrovic,ZPH944,Archivbox3).St.Wolfgang.25.Mai1944.
398
Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Titel
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Untertitel
- Briefe 1938-1945
- Autor
- Christopher Dietz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.5 cm
- Seiten
- 468
- Kategorien
- Weiteres Belletristik