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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Dominique Cardon142 Schwächung der statistischen Formen, die einst der sozialen Welt Struktur ga- ben, verbunden. Das Misstrauen von Individuen gegenüber der Art und Weise, in der Politiker, Journalisten, Wissenschaftler und Gewerkschaften sie darstel- len, fußt auf der Verweigerung, in vorgefertigten Kategorien eingeschlossen zu werden. Gerade um das Recht auf Einzigartigkeit und Singularität hoch- zuhalten, wurde eine weitreichende Neuerfindung statistischer Techniken angestoßen, um sich eine Vorstellung von Gesellschaft machen zu können, ohne Individuen zu strikt zu kategorisieren. Neue digitale Berechnungen ver- wenden die Online-Spuren von Internetnutzern, um sie mit den Spuren ande- rer Nutzer zu vergleichen, auf der Grundlage eines Systems probabilistischer Rückschlüsse, das nicht in gleichem Maße darauf angewiesen ist, dass statisti- sche Information an ein hochgradig kategoriales System rückgestöpselt wird. Dieses wird nicht mehr als Ursache für ein Verhalten gesehen, sondern eher als Netzwerk wahrscheinlicher Eigenschaften, die auf der Basis vergangenen Verhaltens geschätzt werden.4 Wenn die ›Gesellschaft der Berechnung‹ der- maßen gründlich bis in die kleinsten Aspekte unser Leben vorgedrungen ist, dann deshalb, weil das Soziale nicht mehr die Konsistenz hat, die einst seine Darstellung und die Nutzung breiter und oberflächlicher Kategorien zu Be- schreibung von Individuen erlaubte. ein flexibleres ›reales‹ Eines der ersten Anzeichen dafür, dass das sozialstatistische Standard-Modell schwächer wird, kann man an der Verschiebung der Position, wo Datenklassi- fikation stattfindet, beobachten. Diese Position hat sich bezüglich der gemes- senen Information dreimal verschoben, kann man sagen. Zuerst war sie neben dem Web angesiedelt, wo die Klicks der Webnutzer gezählt wurden. Danach rückte sie oberhalb des Webs, vergaß die Nutzer und konzentrierte sich auf die Zeichen der Autorität, die sie miteinander austauschten. Dann bewegte sie sich in das Netz hinein und lag innerhalb, in den sozialen Netzwerken, wo Sichtbar- keit nicht auf Verdienst basiert, sondern eher eine Funktion von Selbststilisie- rung und Identitätskonstruktion ist. Schließlich verlagerte sie sich nach unter- halb des Webs, wo die Algorithmen aus Unzufriedenheit mit dem Redeschwall der Nutzer die Online-Spuren ihres wirklichen Verhaltens aufzeichnen. Der Entwicklungsverlauf dieser Verschiebung zeigt, wie Statistik, einst externes und fernes Portrait der Gesellschaft, sich nach und nach in zeitgenössische Subjektivitäten hineinbewegt hat, wo sie Verhaltensmuster vergleicht, bevor sie verstohlen ausrechnet, was Nutzer tun werden, ohne es zu wissen. Was einst 4 | Zum Thema »Erosion des Determinismus« in statistischen Berechnungen siehe Ha- cking (1975).
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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