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Joseph
Klett158
baffling, in drei schritten
Um zu verstehen, was die Algorithmen von Immersive Audio eigentlich tun,
studiere ich die technische Bearbeitung, die der abschließenden Kodierung
des Prozessors vorausgeht. Zu dieser Arbeit gehört eine Reihe von rekursiven
Projekten, die ich über mehrere Monate hindurch durchführte. Geleitet wird
das Projekt vom Cheftechniker Adam und seinem Assistenten Stefan, der in
seinen Ferien von der Ingenieurschule hier als Praktikant arbeitet.
Während Adam und Stefan damit beschäftigt sind, einen Versuchsaufbau
zu konstruieren, Daten zu sammeln, wissenschaftliche Texte heranzuziehen
und Codes zu schreiben, navigieren sie sich zu ihrem Ziel Immersive Audio auf
einem Floß voller Detailfragen durch, die ihrer Zielerreichung ständig prak-
tischen Widerstand leisten. Regelmäßig stehen sie vor Entscheidungen, für
die technisches Know-How nur begrenzt hilfreich ist; die symbolischen Codes
werden eher im Fortgang des Experiments zugeteilt und ausgewertet – und
dabei haben diese Entscheidungen direkte Auswirkungen auf die Funktions-
weise der Technologie.
Ingenieure digitaler Audio-Produkte gestalten die ästhetischen Eigenschaf-
ten eines Klangs: Klangfarbe, Klangtemperatur und -textur. Außerdem kodi-
fizieren sie bestimmte algorithmische Prozesse, die die Hörbezüge zwischen
Hörern, Situationen und akustischen Umgebungen gestalten. Diese Bezüge
geben eine Reihe lokaler Bedeutungen wieder, die nach Ansicht der Ingenieu-
re am besten durch eine Reihe von symbolischen Transformationen des Hör-
erlebnisses repräsentiert werden. Schauen wir uns diese drei Vermittlungen
(Mediationen) einmal an:
• Personalisierung definiert den Hörer durch eine Reihe von Audio-Charak-
teristika. So kann Audio auf eine große Bandbreite von Hörer-Körpern zu-
geschnitten werden. Während der Körper zu einem Teil des Audio-Systems
wird, wird ihm jedoch gleichzeitig eine unabhängige Verbindung zu den
Reproduktionsmitteln, d.h. zu den Lautsprechern in seinen Kopfhörern,
zugewiesen.
• Desorientierung betrifft eine Bewegungsfreiheit der Körperausrichtung
innerhalb des Signals des Audiogeräts. Eine willkürliche Beziehung zwi-
schen Hörer und Lautsprecher schafft den Fokuspunkt konventioneller
Audio-Felder ab und gewährt dem Hörer einen größeren Grad an Freiheit
innerhalb des Feldes.
• Verlagerung (Translozierung) transformiert Klang nach vorgefertigten Cha-
rakteristika verschiedener akustischer Profile. Wenn der Hörende verlagert
wird, brauchen die akustischen Bedingungen des eingenommenen Rau-
mes nicht mehr zu gelten, es sei denn sie überlagerten sich mit dem Signal
von Immersive Audio.
Algorithmuskulturen
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
- Titel
- Algorithmuskulturen
- Untertitel
- Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
- Autor
- Robert Seyfert
- Herausgeber
- Jonathan Roberge
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-3800-8
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 242
- Schlagwörter
- Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
- Kategorie
- Technik