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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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7. Algorhythmische Ökosysteme 183 tiven Rückkopplungsschleifen verfangen und zu finanziellen Verlusten oder Gewinnen innerhalb von Minuten oder Sekunden führen. Andere kleinere Zusammenbrüche oder Fehler gehören zum Alltagsgeschäft verteilten Netz- werkens. Bemerkenswerterweise steht jeder Ausfall für den Anfang weiterer Optimierung neoliberaler Deregulierung. Zu diesem Zweck befindet sich das neoliberale System im »Dauerzustand pathologischer Reizbarkeit« (Massumi 2014: 332). Die Pathogenese neoliberaler Ökonomien verdankt sich ihrer erzwunge- nen Kopplung an verteilte Netzwerke, die die Kommodifizierung, Verwertung und Finanzialisierung von allem ermöglichen. Diese Kopplung von Geldwer- ten an Signale und Daten der realen Welt generiert eine Mannigfaltigkeit von echten sozialen Problemen, angefangen bei finanziellen Verlusten aufgrund von Netzwerkabstürzen, Verlusten für verteilte Agenturen in Online-Märkten, über Zusammenbrüche in Finanzmärkten bis hin zu breiteren Ereignissen wie die Finanzkrise von 2008, die derzeitige (2009-) griechische Schuldenkri- se und mehr. Es ist hochgradig verstörend, dass solche historischen Ereignis- se integraler Bestandteil neoliberaler Strategien sind. Wir leben nicht in einer »Gesellschaft der Kontrolle« (Deleuze 1990), sondern in einer Gesellschaft kontrollierten Planens unkontrollierter Krisen. faZit Wenn ein Algorithmus ausgeführt wird, sind Transformations- und Über- tragungsprozesse des Mathematischen in physische Realitäten involviert. Diese Prozesse sind nicht trivial. Man hat sie so entworfen, dass sie einfach erscheinen, aber die Entstehung eines Algorithmus, seine Entfaltung und Metamorphose in einen Algorhythmus, bringt häufig Probleme, Spannungen und Zusammenbrüche mit sich. Wie in diesem Kapitel beschrieben, machen verteiltes Rechnen und Netzwerken diese Spannungen weitaus effektiver, weil Algorithmen gemeinsam operieren, interagieren und über ein verteiltes Zu- sammenspiel von Agenten Ressourcen miteinander teilen müssen. Wie die früheren Beispiele gezeigt haben, können diese Akte der Koordinierung, Zu- sammengehörigkeit und Selbstorganisation außer Kontrolle geraten. In neoli- beralen Zusammenhängen, wo Algorithmen – wie im automatisierten Handel – darauf programmiert sind, miteinander im Wettbewerb zu stehen, und wo alle Transaktionen eng miteinander verbunden sind, werden diese Spannun- gen, Katastrophen und Störungen zum Alltagsgeschäft. Wie oben beschrieben war die technische Sprache im Kontext des aufkom- menden Netzwerkmanagements in den späten 1960er und 1970er Jahren eng gekoppelt an ökonomisches Denken und benutzte Begriffe wie »Ressource«, »Nachfrage« oder »Allokation«. Die technische Kopplung von Finanzflüssen
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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