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8. Drohnen: zur Materialisierung
von Algorithmen1
Valentin Rauer
Seit Jahrhunderten gelten Maschinen als Gegenstände, als passive Werkzeuge
oder Instrumente. Als Mittel zum Zweck stehen sie den aktiven menschlichen
Subjekten gegenüber. Diese binäre Ordnung erodiert aktuell, weil die vormals
passiven Instrumente immer größere Anteile an intrinsischer Aktivität mit
sich bringen (Rammert 2000; Latour 2001; Schulz-Schaeffer 2007). Seither
wird in der Soziologie intensiv über Fragen nach Handlungsträgerschaft jen-
seits menschlich personaler Akteure diskutiert (Passoth/Peuker/Schillmeier
2012; Lupton 2015). Der Gebrauch der Metapher »Drohne« verleiht diesem
Übergang eine öffentliche Bedeutung. Mit dem Konzept der Drohnen wird die
vormalige binäre Ordnung von sich gegenüberstehenden Subjekten und Ob-
jekten zunehmend durch Hybridität ersetzt.
Warum erscheint die Drohnenmetapher erst in den frühen 2000er Jah-
ren? Die Technologie wurde bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
entwickelt. In diesem Beitrag wird die These vertreten, dass der Aufstieg der
Drohnenmetapher mit einem spezifischen Interface zusammenhängt, das es
erlaubt, algorithmische Methoden und Inskriptionen als ›Aktion‹ eines spe-
zifischen Objektes zu imaginieren. Eingesetzt zur Lenkung eines autonom
steuernden Fahrzeugs sind Algorithmen nicht nur ein Mittel, um eine In-
formation oder ein Wissen zu selektieren und zu generieren (Introna/Wood,
2004), sondern sie bilden den Kern einer praktischen Logik, die es Maschinen
ermöglicht, ohne von Menschen ferngesteuert qua Sensoren situationsange-
messen zu erkennen und zu interagieren. Diese sensorische, interaktive und
situative Praxis steigert den Autonomiegrad der Maschinen (Rammert 2012).
Algorithmen stellen in diesem Sinne also Praktiken bereit, mit denen Objekte
1 | Dieser Text beruht auf einer teilweise übersetzten und teilweise aktualisierten und
modifizierten Fassung des Textes: Rauer, V. (2016): »The mobilization of algorithms«, in:
Algorithmic cultures. Essays on meaning, performance and new technologies, hg. v. R.
Seyfert und J. Roberge, New York: Routledge, S. 140-157.
Algorithmuskulturen
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
- Titel
- Algorithmuskulturen
- Untertitel
- Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
- Autor
- Robert Seyfert
- Herausgeber
- Jonathan Roberge
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-3800-8
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 242
- Schlagwörter
- Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
- Kategorie
- Technik