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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Valentin Rauer 192 Algorithmen eine Infrastruktur bereit, mit der Maschinen und Objekte über Sensoren vermittelt miteinander interagieren, ohne dass es menschliche Ent- scheidungen oder Kontrollen bedarf. Algorithmen bilden also den Kern einer zunehmenden interobjektiven Autonomisierung. Diese Autonomie mag an menschlichen freien Willen und Intentionalität erinnern, allerdings würde eine solche Gleichsetzung fehlleiten, wie im Folgenden gezeigt werden soll. algorithmen in mobilisierten objeKten Im öffentlichen Diskurs werden physische Objekte als Drohnen bezeichnet, wenn es sich um sensorgestützte Systeme handeln, die in der Lage sind, ohne direkte menschliche Intervention situativ zu entscheiden und zu interagieren. Dies umfasst eine breite Palette von Geräten, von einfachen ferngesteuerten Gadgets mit minimaler sensorisch vermittelter Selbststeuerung hin zu Robo- tern, die in der Lage sind, auf spezifische Reize ihrer Umwelt interaktiv zu reagieren. Gleichwohl, sind viele dieser Maschinen lediglich Varianten lang bekann- ter ferngesteuerter Flugzeuge, Züge, Boote oder Autos. Warum hat sich den- noch der Begriff ›Drohne‹ oder ›unmanned area vehicle‹ (UAV) etabliert? Ist diese Bezeichnung lediglich Folge einer industriellen Werbekampagne oder ein Resultat von Medienhypes um scheinbar Neues? Die Antwort auf diese Frage ist, dass es trotz dieses Hypes auch einen soziologischen Grund gibt, warum eine solche Bezeichnung Bedeutung erlangen konnte: Die Aktivierung eines technischen Objektes qua Algorithmen lässt diese Objekte wie ein hybri- den, passiv-aktiven Akteur erscheinen. Bislang hat das Konzept der Algorithmen wenig Beachtung in den klassi- schen Sozialwissenschaften gefunden. Sogar in Studien, in denen es explizit um digitale Navigationssysteme geht, werden Algorithmen noch nicht einmal erwähnt (November/Camacho-Hu/Latour, 2010). Als eine exzeptionelle Pio- nierin auf dem Gebiet kann die Dissertation von Bettina Heintz aus dem Jah- re 1991 gelten (Heintz 1993). In dem Buch thematisiert sie Algorithmen nicht als eigenständiges Konzept, sondern eher im Zusammenhang der Geschichte des Computers und der Mathematik in Relation zu entscheidenden Gründer- figuren wie Alain Turing. Für Heintz steht die von Turing entworfene Idee der Maschinenlesbarkeit von Zeichensystemen im Vordergrund der soziolo- gischen Bedeutung. Praxeologische oder gar handlungstheoretische Aspekte von maschinenlesbaren Algorithmen erörtert sie nicht. Weiterführend und dabei an die jüngeren Ansätze der letzten Jahre an- schließend (Beer 2009; Vries 2010; Introna 2011; Marres 2012; Knowles/ Burrows 2014), soll hier im Folgenden das Argument vertreten werden, dass Algorithmen nicht nur als rationales Entscheidungshandeln oder digitale ma-
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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