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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Valentin Rauer 196 gewiesen, sondern ermöglichen als allgemeiner Typus kommunikativen Han- delns soziale Addressierbarkeit und Interaktivität. In ihrer Untersuchung zu webbasierten Interaktionsmedien schlagen Karin Knorr-Cetina und Urs Bruegger (2002) den Terminus ›globale Mikro- strukturen‹ vor, um auf die räumliche Expansivität von Interaktionssituatio- nen aufmerksam zu machen. In einer späteren Publikation hat Knorr-Cetina den Begriff der ›synthetischen Situation‹ eingeführt, um auf die Ko-Präsenz räumlich weit entfernter Interaktionspartner zu verweisen. Stefan Hirschauer (2014) hat solche Situationen kürzlich mit dem Terminus der ›Intersituativität‹ bezeichnet. Die hier vorgestellten analogen Algorithmen zielen ebenfalls auf solche räumlich distanzierten, Face-off-Face-Interaktionssituationen, jedoch zielen sie weniger auf die Endprodukte auf den Bildschirmen, sondern auf die Ermöglichungsbedingungen intersituativer Interaktionen. Analoge Algorith- men sind die kommunikationstheoretische Vorform, auf die das digitale Inter- net aufbauen konnte. Nicht die Inhalte des kommunikativen Handelns stehen im Vordergrund, sondern die kommunikativen Ermöglichungsbedingungen deiktischer Gewißheit in Face-off-Face-Situationen. das VersPrechen der autonomie Analoge algorithmische Kommunikation wird von Menschen vollzogen, lässt sich jedoch auch ohne Komplexitätsverlust durch Maschinen digitalisieren. Analoger Funkverkehr wird inzwischen von dem so gennannten ›digitalen Selektivruf‹ (›digital selective calling‹, DSC) ersetzt. Digitale Algorithmen er- setzen also allgemein menschliches kommunikatives Handeln. Diese Maschi- nisierung des Handelns hat inzwischen zur Folge, daß die Maschinen einen immer höheren Grad an Entscheidungsautonomie haben. Den Menschen bleibt zunehmend nur noch eine Überwachungs- und Kontrollfunktion. Diese vollständig autonomen Agenten scheinen mehr Verlässlichkeit und Vorhersag- barkeit als menschliches Handeln zu versprechen. Doch nicht in allen Situationen scheint eine solche Autonomisierung der Maschinen unproblematisch. So werden beispielsweise autonome Waffensys- teme von Informatikern als ›Kalaschnikows von Morgen‹4 bezeichnet, um dar- 4 | Dies ist ein Zitat aus einem offenen Brief von KI und RobotikwissenschaftlerInenn: »Autonomous Weapons: An Open Letter from AI and Robotics Researchers«, welches in der vollen Länge folgendermaßen lautet: »Autonome Waffen selektieren und ergreifen Ziele ohne menschliche Intervention. Dabei könnte es sich zum Beispiel um bewaffnete Quadrocopter handeln, die Personen nach bestimmten, vordefinierte Kriterien aufsu- chen und eliminieren – dazu gehören jedoch keine Cruise-Missile Raketen oder fern- gesteuerte Drohnen, für die die Menschen alle Ziel-Entscheidungen treffen. Die Künstli-
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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