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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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8. Drohnen: zur Materialisierung von Algorithmen 209 amerikanische Praxis des Drohnenkriegs im Einzelfall zu überprüfen. Denn die Auswahl der Ziele der Drohnen erfolgt streng geheim […].«27 In diesem Zitat wird der Effekt von strategischen Klagen auch darin sichtbar, dass sich das Gericht auf Politikerreden bezieht, um auf die Beurteilung des Tatbestandes schließen zu können. Zudem werden Fragen des internationa- len Rechts beispielsweise über Fragen der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes militärischer Gewalt angesprochen. All diese Artikulationen laufen der stum- men, im Hintergrund praktizierten algorithmisch vermittelten Interaktion entgegen. Von Seiten der politischen Theorie wird darauf verwiesen, dass Normen und Moral nicht nur abstrakt artikuliert werden, sondern stets auf Rechtfer- tigungsnarrative angewiesen sind (Forst 2014). Andere argumentieren, dass Normen einer performativen Realisierung bedürfen (Möllers 2015). Auch aus kultursoziologischer Perspektive gelten Erzählungen und Performativitä- ten als konstitutiv für normativ kollektiv akzeptierte Unterscheidungen und Wertfragen (Alexander 2006b). Ramstein ist ein solch narrativ, performativ realisierter Fall zu der Frage nach den normativen Grenzen algorithmischer Interaktionssituationen. Die Erzählung berichtete nicht nur von menschlichen Akteuren, seien sie individuell oder kollektiv, sondern auch von quasi-Inter- aktanten wie der Satelliten-Relais-Station. Wie der Fall demonstriert, stellen solche soziotechnischen vermittelnden Interaktionstechnologien die Grenzen rein menschlicher Handlungsträgerschaft in Frage und lenken den soziologi- schen Blick auf das gesamte digitale Netzwerk (Lupton 2015: 46-48). Zusammenfassende bemerKung Die Drohnen-Metapher passt nicht mehr zu den klassischen Entitäten sozial- wissenschaftlicher Handlungstheorie und lenkt die Aufmerksamkeit auf hyb- ride Entitäten wie algorithmische Infrastrukturen oder andere akteursähnliche Handlungsträgerschaften. Drohnen sind akteursähnliche, interaktivautonome Maschinen. Sie sind nicht autonom im Sinne von Intention und freien Willen. Vielmehr symbolisieren sie die Algorithmisierung autonomer Handlungsträ- gerschaft und führen sie zugleich in ihrer Differenz zur menschlichen Auto- nomie vor. Als Quasi-Akteure kreieren Drohnen ein diffus definiertes Ak- teursnetzwerk, das von einem Kontinent zu einem anderen reichen kann und mikroglobales Handeln ermöglicht. Doch neben dieser technologisch katalysierten Ausweitung sozialer Mikro- situationen, demonstrieren die beiden Fälle auch eine kulturell performative 27 | Abs. 87.
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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