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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Oliver Leistert216 Plattformen und Protokolle selbst hervorbringt, und (2) dass zunehmend ein Symptom bedeutsam wird, dass ›algorithmische Entfremdung‹ genannt wer- den könnte. Dies ist ein Prozess, der gegenwärtig die gesamte Wissens- und allgemein Kommunikationsproduktion umbaut, wie vielfach in diesem Buch gezeigt wird. eine relationale existenZ eines digitalen milieus, das durch Vertrauen gesPeist Wird Anthropozentrische Theorien des Sozialen würden die Idee, dass Bots sozial sein können, wahrscheinlich ablehnen. Jenseits dieser Theorien hat sich je- doch eine Art Konsens eingestellt, der das Soziale nicht exklusiv dem Men- schen (oder auch Tieren) zugesteht, sondern Akteursqualitäten zunächst allen Wesen und Dingen zuschreibt, da es am Ende Prozessketten unterschiedlichs- ter Akteure und Aktanten sind, die Sozialität real werden lassen (Thrift 2005). Besonders Medien- und Technikwissenschaften fragen vermehrt nach dem ›wie‹ und ›wer mit wem‹, und weniger nach dem ›was‹ dieses Feldes. Damit zeigen sie an, dass es zur Analyse ihrer Gegenstände von Vorteil ist, anstatt weiterhin nach passenden Objekten für sterile Kategorien zu suchen, den Fo- kus stattdessen auf Fragen der Relation, Operationen und Performativität zu legen. Ebenso ist das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Technik und Ge- sellschaft ein Ausgangspunkt vieler Analysen geworden (Boczkowski 1999). Jüngere Beiträge der Science and Technology Studies, die explizit medienwis- senschaftliche Ansätze integrieren, versuchen die Suche nach dem ›wer‹ oder ›was‹ hinter sich zu lassen (Gillespie et al. 2014), ähnlich wie Akteur-Netz- werk-Theorien, die auf Symmetrie in der Beschreibung von Technik und Ge- sellschaft abstellen, und den wechselseitigen Austausch sich gegenseitig anre- gender Aktanten in den Blick nehmen (vgl. Latour 1999). All dies hat zu einem Wechsel der Perspektiven geführt und einem Übergang von der Fixierung auf statische Wesen und Objekte hin zu Relationen und Dynamiken, die von aller- lei Sorten von Aktanten und Akteuren in Bewegung gesetzt und ausgehandelt werden. Dieser Perspektivwechsel ist auch für die Analyse von Bots hilfreich, denn was Bots zweifellos in erster Linie auszeichnet, ist ihr permanenter Versuch, mit anderen Akteuren Relationen aufzubauen, und weniger ihre ontologi- sche Essenz oder ihr statisches Beharrungsvermögen. Dies trifft sowohl für die hochentwickelten Social Bot Netze auf Facebook zu, wie auch für die eher simplen Spambots, denn alle Bots versuchen sich über Datenaustausch mit Menschen zu verbinden, oder einen Datenaustausch, der Menschen indexiert, wie z.B. Kreditkartendaten, zu initiieren, oder einen Austausch anzubahnen,
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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