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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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9. Social Bots 217 indem Menschen z.B. über Phishing-Websites in Relation zu Bots gebracht werden. In diesem Sinne sind Bots ein Spiegel unserer eigenen Eingeschlossen- heit in Maschinen-zentrierten Milieus, die auf eine Amalgamierung von techno-kulturellen Gesellschaften mit Netzwerkinfrastrukturen hindeutet. Bots zeigen damit, dass die soziale Funktion Vertrauen in sozialen Medien algorithmischer Natur ist.1 Vertrauen ist zu einer relationalen Sache von Ver- rechnung geworden, indexierbar und operationalisiert, um nur am Ende von Menschen angenommen oder abgelehnt zu werden. Vertrauen ist zu einem diskriminierbaren Parameter mutiert, der von Maschinen vorgeschlagen wird. Die algorithmische Produktion von Vertrauen, mit der Bots arbeiten, ist dabei tief eingebaut in die Logik der Ausbeutung und Wertextraktion kommerziel- ler Plattformen. Vertrauen in und durch algorithmische Operationen zeichnet somit ein neues Bild desselben, dass sich von jedem humanistischen Konzept von Vertrauen gelöst hat, und ausschließlich nach den Regeln von Berechen- barkeit arbeitet. Und dies ist eben dasselbe Milieu, das Bots bewohnen. das KommerZielle Zuhause Von social bots Um sich der Entwicklungslinie heutiger Social Bots anzunähern, sollen zu- nächst die Verschiebungen in Richtung eines algorithmischen Regimes von Medientechniken, das vom Motor der Monetarisierung und der kapitalisti- schen Einhegung angetrieben ist, gezeichnet werden. Die Ausweitung und explosionsartige Vermehrung der Social Bots in den letzten Jahren geht Hand in Hand mit dem gigantischen Erfolg kommerzieller Plattformen sozialer Me- dien, die seit einigen Jahren das soziale Gewebe dramatisch verändert und herausgefordert haben. Dies betrifft u.a. unser Verständnis von Öffentlich- keit (Baym und Boyd 2012), Freundschaft (Bucher 2013), kollektiven Protesten (Dencik und Leistert 2015), sowie allgemein großen Veränderungen innerhalb der Datensphären (Langlois et al. 2015). Diese Entwicklungen sind mit einer starken Verschiebung von Daten- schutzbestimmungen in Richtung privater Akteure einhergegangen (Braman 2006; Hintz 2015). Das Zusammenführen staatlicher und kommerzieller Überwachung (Landau 2010; Bauman und Lyon 2013) ist zu einem komple- xen Konfliktfeld in der Beziehung zwischen Bürgern und ihren Regierungen (siehe www.dcssproject.net) durch den unaufhaltsamen Aufstieg der Daten- 1 | Es handelt sich hierbei jedoch nicht um das Vertrauen, das gemeint ist, wenn von Verschlüsselung gesprochen wird. Dies antwortet zwar auf ein ähnliches Problem – Vertrauen in vernetzten Umgebungen –, die Mittel dafür sind jedoch in den Händen der Benutzer, wenn es um Ende-zu-Ende Verschlüsselung geht.
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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