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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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9. Social Bots 225 hat ein Benutzer auf den schadhaften Link geklickt, ist ihre Aufgabe erfüllt. Nichtsdestotrotz müssen diese Bots zuerst mit den Benutzern ›anbändeln‹, um glaubwürdig zu wirken. Diese Bots sind ebenfalls den algorithmischen Piraten zuzuordnen, da sie im Prinzip vertrauenswürdige Umgebungen, wie z.B. Dating-Plattformen, ausnutzen, um den Datenverkehr aus ökonomischen Gründen in bereitgestellte Fallen zu lenken. social bots als algorithmische Piraten des datenKaPitalismus Aus der Perspektive einer politischen Ökonomie lassen sich, mit einigen Modi- fikationen, viele der vorgestellten Social Bots als wiedergekehrte Inkarnationen der Figur des Piraten beschreiben, weil sie zu dem gehören, was Lawrence Li- ang »ein ganzes Reich, das von Figuren wie Trickstern, Kopierern und Dieben bewohnt wird« (Liang 2010: 361) nennt. Social Bots als algorithmische Pira- ten zu modellieren, die, wie die Metaphorik bereitwillig hinzufügt, im Daten- meer der sozialen Medien schwimmen, ermöglicht einen Perspektivwechsel auf die Datenbankimperien kommerzieller sozialer Medien-Unternehmen, da die normalisierte Wahrnehmung und Auffassung über die Besitzverhältnisse von Daten dezentriert und somit erneut befragbar wird. Dies schließt einen neuen Blickwinkel für die Problematisierung der datenverarbeitenden Platt- formen selbst mit ein. Social Bots, ob schurkenhaft oder nicht, ermöglichen somit eine erneute, veränderte Betrachtung heutiger Datenökonomien. Denn sie fragmentieren sowohl die in die Plattformen investierte unbezahlte affek- tive Arbeit heutiger post-fordistischer Subjektivitäten (Ross 2013), als auch das zeitgenössische Geschäftsmodell der Verwertung dieser Arbeit. Gleichzeitig sind sie am Ent- bzw. Wiederverwerten, indem sie die unbezahlte Arbeit und ihre Verwertung an einen »marginalen Platz der Produktion und Zirkulation« (Liang 2010: 361) lenken. Das Argument lautet deshalb, dass Social Bots die etablierten Kanäle und Schaltkreise unbezahlter Arbeit und ihrer Verwertung durch die Plattformen umformen, indem sie an diese Plattformen andocken: Sie erscheinen somit als das unterdrückte ›Andere‹, als jenes, welches in den zentralisiert regierten, vermauerten Reichen wie Facebook stets verdrängt, ge- löscht, gesäubert werden soll, aber stets wiederkehrt und diese Reiche damit heimsucht wie ein unheimlicher Doppelgänger einer niemals ablegbaren, ver- drängten Wirklichkeit. Um jedoch die Operationalität dieser Social Bots aus einer solchen Pers- pektive genauer diskutieren zu können, ist ein kurzer Rekurs zum Diskurs der sogenannten Medienpiraterie notwendig, der erst die Reichweite und Limitie- rungen der Figur des algorithmischen Piraten klärt.
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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