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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Oliver Leistert228 Piratenbots, algorithmen und infrastruKtur Die Macht der Piratenbots resultiert besonders aus der Macht der Infrastruk- turen, die sie bewohnen. Es ist diese Verteilung von Machtrelationen innerhalb von Infrastrukturen, in denen sich die Modulation von Kontrolle – berühmt durch Gilles Deleuzes ›Postskript über die Kontrollgesellschaften‹ (1994) – ma- terialisiert, und zwar als verteilte und dezentrale logistische Knoten. In den Senken dieser environmentalen Wirkmächigkeit artikulieren und replizieren sich die Piratenbots, denn »Piraterie suggeriert nicht nur einen dauerhaften Verlust von Räumen und Märkten, sondern auch ein Verbreitungsmodell, bei dem die ›Distribution‹ selbst zu einer produktiven Form wurde. Als Dis- tributoren vervielfältigen Piraten Medien; Piraterie schafft mehr Piraterie« (Sundaram 2009: 116). Seit Algorithmen vermehrt Regulierungstätigkeiten übernommen haben (Ziewietz 2015) und als Analyseinstrumente breit einge- setzt werden (Amoore/Piotukh 2015), konnten Piratenbots Knotenpunkte oder Elemente einer Assemblage werden, die infrastrukturelle Operationen regelt. Piraterie nistet sich ein in dem, was Keller Easterling ›extrastatecraft‹ nennt (2014), um die physischen und nicht-physischen Machtformationen zeitgenös- sischer, globaler Infrastrukturökonomien zu beschreiben, die »den imperia- len Anspruch auf Standards und Infrastrukturen« darstellen (Zehle/Rossiter 2014: 349). Genau dies ist aber auch das Milieu, in dem »Piraterie in warenförmigen Tauschkreisen existiert, nur dass hier das Selbe ins Viele sich verteilt. Verteilung in Form von viralen Schwärmen ist die Basis piraterischer Ver- breitung, ihr Verschwinden in die versteckten Orte der Zirkulation ist das Geheimnis ihres Erfolges, sowie die Verteilung der Profite in diverse Stellen des Netzwerks.« (Sun- daram 2009: 137) Ebenso proliferieren Piratenbots, indem sie zu Schwärmen werden und wieder verschwinden. In diesem Sinne ist Piraterie vielmehr als komplementär denn als para- sitär zu verstehen, in einem Modus der »Relation, der die Resilienz (und Re- dundanz) von Netzwerkinfrastrukturen anzeigt« (Zehle/Rossiter 2014: 348). Konzerne wie Microsoft nutzten die Piraterie ihrer Produkte strategisch, um Konkurrenzprogramme aus dem Open Source Feld zu bekämpfen, die in der Regel kostenlos zu haben sind. Auch dies deutet auf eine analytische Qualität des Begriffs der Piraterie hin. Insofern ist es durchaus möglich, Social Bots jenseits moralischer oder legalistischer Überlegungen in einer der Datenakkumulation verschriebenen kapitalistischen Ökonomie, die selber die Privatsphäre und informatische Selbstbestimmung strukturell angreift, zu situieren. Denn die heutige Inter- netökonomie wird im Wesentlichen von Datenmaklern und Unternehmen für
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Titel
Algorithmuskulturen
Untertitel
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Autor
Robert Seyfert
Herausgeber
Jonathan Roberge
Verlag
transcript Verlag
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
242
Schlagwörter
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Kategorie
Technik
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