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Austrian Law Journal, Band 1/2015
Seite - 89 -
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Seite - 89 - in Austrian Law Journal, Band 1/2015

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ALJ 1/2015 Beate Sündhofer 89 den Gerichtshof.4 Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass sie die Burka bzw den Niqab freiwillig und als Ausdruck ihrer religiösen und persönlichen Überzeugungen in der Öffentlichkeit tragen wolle, wobei sie diese Kleidungsstücke zu Zwecken der Identitätsfeststellung jedoch jederzeit ablegen würde. II. Verbot des Tragens religiöser Kleidung und Symbole in der bisherigen Rechtsprechung des EGMR Einmal mehr stellt sich im Fall S.A.S. die Frage, inwieweit ein Staat berechtigt ist, die Religions- (ausübungs)freiheit der Rechtsunterworfenen zu beschränken.5 Das Recht auf Gedanken-, Ge- wissens- und Religionsfreiheit gemäß Art 9 EMRK schützt auch die Freiheit, seine Religion durch Gottesdienst, Unterricht und dem Praktizieren von Bräuchen oder Riten auszuüben. Religiöse Bräuche können im Tragen einer bestimmten Kleidung bzw bestimmter religiöser Symbole be- stehen.6 Die Judikatur des EGMR zeigt, dass der Gerichtshof bereits mehrfach über die Untersa- gung des Tragens bestimmter religiöser Kleidungsstücke bzw Symbole zu entscheiden hatte.7 Eine erste Gruppe bilden in diesem Zusammenhang verschiedene Ausprägungen des Kopftuch- verbots, die Gegenstand von Beschwerden beim EGMR waren. Der Gerichtshof stellte diesbezüg- lich jeweils keine Verletzung des Art 9 EMRK fest. Eine Gemeinsamkeit ist, dass das Tragen des Kopftuchs in einem speziellen Umfeld untersagt wurde: dem Schul- bzw Universitätsbereich. Weder ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen8 und Professorinnen an Universitäten9 noch für Schülerinnen10 und Studentinnen11 stellte für den EGMR einen ungerechtfertigten Ein- griff in das Recht auf freie Religionsausübung gemäß Art 9 EMRK dar. Er begründete dies unter anderem mit dem an staatlichen Bildungseinrichtungen anwendbaren Prinzip des Laizismus.12 Eine zweite Gruppe von Fällen betraf die Verpflichtung, religiöse Kleidungsstücke bei Maßnah- men zur Identitätsfeststellung abzulegen. Es handelte sich etwa um die Pflicht zur Abnahme ei- nes Turbans bzw eines Kopftuches bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen13 sowie bei einem Generalkonsulat14 oder auch die Pflicht, sich auf einem amtlichen Passfoto ohne religiöse Kopf- 4 Der EGMR bejaht im vorliegenden Fall die Opfereigenschaft der Bf sowie die Zulässigkeit der Beschwerde ohne vorhergegangene Ausschöpfung des (aussichtslosen) innerstaatlichen Instanzenzuges; vgl dazu EGMR 1. 7. 2014 (GK), 43835/11, S.A.S./Frankreich Rn 57, 61. 5 Auch der EGMR legt im vorliegenden Fall ein Hauptaugenmerk auf den religiösen Aspekt; siehe dazu EGMR 1. 7. 2014 (GK), 43835/11, S.A.S./Frankreich Rn 109. 6 Walter in Dörr/Grote/Marauhn (Hrsg), EMRK/GG I2 (2013) Kap 17 Rn 47 ff; Grabenwarter/Pabel, EMRK5 (2012) § 22 Rn 102. 7 EGMR 1. 7. 2014 (GK), 43835/11, S.A.S./Frankreich Rn 133 ff; vgl dazu Marboe, Die Rechtsprechung des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Verhältnis Menschenrechte und Islam, in Marko/Schleifer (Hrsg), Staat und Religion 221 (226 ff). 8 EGMR 15. 2. 2001, 42393/98, Dahlab; vgl zum Kopftuch in der Schule Pabel, Religion im öffentlichen Schulwesen, in Prisching/Lenz/Hauser (Hrsg), Bildung und Religion (2006) 37 (66 ff). 9 EGMR 24. 1. 2006, 65500/01, Kurtulmus. 10 EGMR 30. 6. 2009, 43563/08, Aktas; EGMR 30. 6. 2009, 14308/08, Bayrak; EGMR 30. 6. 2009, 18527/08, Gamaleddyn; EGMR 30. 6. 2009, 29134/08, Ghazal; EGMR 30. 6. 2009, 25463/08, Jasvir Singh; EGMR 30. 6. 2009, 27561/08, Ranjit Singh; EGMR 4. 12. 2008, 27058/05, Dogru; EGMR 4. 12. 2008, 31645/04, Kervanci; EGMR 24. 1. 2006, 26625/02, Köse ua. 11 EGMR 10. 11. 2005 (GK), 44774/98, Leyla Şahin; siehe dazu von Bülow, Das Kopftuchurteil des EGMR (2008). 12 EGMR 10. 11. 2005 (GK), 44774/98, Leyla Şahin Rn 116. 13 EGMR 11. 1. 2005, 35753/03, Phull. 14 EGMR 4. 3. 2008, 15585/06, El Morsli.
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Austrian Law Journal Band 1/2015
Titel
Austrian Law Journal
Band
1/2015
Autor
Karl-Franzens-Universität Graz
Herausgeber
Brigitta Lurger
Elisabeth Staudegger
Stefan Storr
Ort
Graz
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
19.1 x 27.5 cm
Seiten
188
Schlagwörter
Recht, Gesetz, Rechtswissenschaft, Jurisprudenz
Kategorien
Zeitschriften Austrian Law Journal
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