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timuslimischen Positionen der FPÖwird aber auch von anderen Befragten
aufgebracht,etwa indiesemZitat:
»Und ich glaub’ schon, dass es in der öffentlichenWahrnehmung, auch in
derveröffentlichtenMeinung,schoneinegewissenAngstvordem…dieFPÖ
schürtdasauch,voreinerÜberfremdung,Europawirdislamisch…Dashatso
Konjunkturen,aber ichglaub’,das ist latentschonda,generell inÖsterreich
mitdergenerellenAusländerfeindlichkeit, diehaltdannauchüberden Is-
lamgetragenwird.« (E1m)
Eine »generelle Ausländerfeindlichkeit«, die als in der österreichischen Be-
völkerung gegeben angenommen gilt, wird in diesem Bild durch die FPÖ
»über den Islamgetragen«.DieseThese ist in der politikwissenschaftlichen
Rechtspopulismus-Forschungdurchausgängig (vgl.Krzyżanowski 2013; Ro-
senberger/Hadj-Abdou2013).EinedritteVariantesiehtdasBesetzendesThe-
masdurchFPÖebenfalls als Instrumentalisierung.Siegestehtderextremen
Rechten aber zu, dass sie durch ihreThematisierung des Islam in der Be-
völkerung vorhandene ›Ängste‹ oder ›Sorgen‹ aufgreife, die durch reale, von
MuslimInnen geschaffene ›Probleme‹ ausgelöstwürden. Ein Interviewpart-
ner beantwortetedie Frage,worauf erdie zunehmendeBedeutungdesThe-
masIslaminMedienundPolitikzurückführe,so:
»Ichwürde sagen, die Tatsache, dass ebendiemuslimischeZuwanderung
einegewisse kritischeMasseerreichthatunddassder StrachedasThema
erkannthatunddassdieKronenzeitung,hauptsächlich,dasThemaerkannt
hat«(J1m)
DerhergestellteKausalzusammenhangwirdhierdeutlich:DieFPÖwirdzur
Übersetzerin einer inderBevölkerung verorteten antimuslimischenGrund-
stimmung, deren Ursache wiederum die steigende Zahl vonMuslimInnen
(»kritischeMasse«) selbst ist.ÄhnlichdrückteseineRedakteurinaus:
»Aber ichglaub’,dieLeutehaben,odereinebreiteMassehatwirklichdiese
Urangst,diejaauchrechteParteienschüren,diemussmanaberschonernst
nehmen,dassdaeinUngleichgewichtentsteht.« (D1f)
Das»Ungleichgewicht«erläutertsieinweitererFolgealsProzessderVerdrän-
gungder ›Einheimischen‹durch ›Fremde‹:
»Also,dassdazuvieleMoscheengebautwerden–ob’sdannderRealitätent-
spricht istganzegal, aberdassubjektiveGefühl:DasFremde,alsodas,was
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik