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(Lachen),sag ich jetzteinmal,damithatdaseigentlichbegonnen« (B1m).Ei-
neweitereBefragtemeint,dassderIslam»untereinemganz,ganzschlechten
Imageleidet«underwähntSebastianKurzalswichtigenAkteur,derfüreinen
anderenUmgangstehe:
»DerneueAußenministermacht sehrviel indemBereich, alsodemwürde
ich,wennichwaszusagenhätte indermuslimischenWelt,demwürde ich
irgendeineAuszeichnungverleihen,weil derwirklich sehr viel tut, umdas
einbisschen, ich sag jetzt nochnicht indieMitte, aber zumindest auf der
Erfolgs-Seite, ineinanderesLichtzurücken«(D1f).
AuchhierwirddaspositiveWirkenaufdersymbolischenEbeneverortet:Kurz
würdeMuslimInnen»ineinanderesLicht«rücken,indemer»Erfolgsstories«,
etwavonwirtschaftlicherfolgreichenUnternehmerInnenmitmuslimischem
Hintergrund,präsentiere.6
Was Sebastian Kurz in den verschiedenen Interviews positiv angerech-
netwirdistnichtzuletzt,dassereinwahrgenommenesThemenmonopolder
FPÖangreift,dasThema›Islam‹nichtderextremenRechtenüberlässt.Ganz
ähnlich verhält es sich bei dem damaligen Grünen Bundesrat Efgani Dön-
mez, der als ›Islamkritiker‹ öffentliches Profil gewonnen hat und später als
Kandidat derÖVP-Liste von SebastianKurz ins Parlament eingezogen ist.7
Dönmezwirdvoneinembefragten Journalisten,der sichzuvordeutlichvon
der »polarisierendenForm«abgrenzt, in der die FPÖdasThemabehandelt,
alspositivesBeispielgenannt.Ertrete»durchausprovokant«aufundsei»eine
Figur,einerdergenaudiesepolitischeUnkorrektheitauchhat,undderDinge
sagt,dieauch teilweise indenMediennichtkommen,womansicheherzu-
rückhält,undimZweifelsfall vielleichtdieGeschichtenichtbringt,ausAngst
davor der FPÖ indieHände zu spielen« (G2m).Dönmez steht hier für eine
6 DieseEinschätzungenderPersonSebastianKurz istvordemHintergrundderpolitischen
Entwicklung,dieerundseineParteiseitDurchführungderInterviewsgenommenhaben,
durchaus interessant.NachdenMigrations-undFluchtbewegungenvon2015erfandder
ÖVP-PolitikersichalsHardliner inderGrenz-undAsylpolitikneu,wasihnletztlichandie
SpitzeseinerPartei, ineineKoalitionsregierungmitderFPÖundindasAmtdesBundes-
kanzlersgebrachthat (vgl.Wodak2018).Wie radikaldiepolitischeUmorientierungvon
Kurzausfiel,machendiehierpräsentiertenDeutungenimKontrastzuseinengegenwär-
tigenPositionenzurmuslimischenFragedeutlich.
7 SeithermussteDönmezimSeptember2018auchdenÖVP-Parlamentsklubwiederverlas-
sen,nachdemerdiedeutschePolitikerinSawsasChebli ineinemTweetsexistischherab-
gewürdigthatte.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik