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184 ImNamenderEmanzipation
KopftuchzurBebilderungausgewählt–»dasBildvonderKopftuchfrau,eben
das ist dann stellvertretend fürMigranten,Migrantinnen,da siehtman so-
fortworumesgeht« (J2f).DieserMechanismuswird inmehrerenInterviews
durchauskritischangesprochen:
»Ichbeobachte,dasswennmanüberAusländer spricht– ichsag jetztganz
politischunkorrektAusländer–,dannmeintmaneigentlichMuslime.Inden
Zeitungen,aberauchimFernsehen,wennesumAusländergeht,dannmuss
immer die Fraumit Kopftuch herhalten. Auch nämlich zum Beispiel bei
Asylthemen…NichtvieleAsylwerberinnentragenKopftuch,aberbebildert
werdendieseGeschichtenmeistens, fast immer,mit FrauenmitKopftuch.
Also der Moslem, die Muslimin, und der Islam sind das Andere, damit
kannman sehr gut das Andere, die Ausländer, zeigen. Es sind eigentlich
immer,ausschließlich,Muslime,diedagezeigtwerden,wenn’sumsThema
Integration,Ausländer,geht.« (G1f)
EinweitererGesprächspartnerkommtaufdasgleichePhänomenzusprechen
und identifiziert esexplizit alsProblemdermedialenDarstellung:
»Integration,MigrationisteinvielzubreitesThemaalsdassmanesnurmit
Islamgleichsetzenkönnte.Eswirddummerweiseoftvereinfachendsodar-
gestellt,wo ich jetzteinmal sag’,beiunshabenwirunszumindestbemüht
dasnichtzumachen,aberesgibtdurchausZeitungen,woIntegrationgrund-
sätzlicheinmalmit Islamgleichgesetztwird, aufoberflächlicherBasis, ja.«
(H1m)
WesentlichersozialhistorischerHintergrunddieserVerknüpfung istdie jün-
gereMigrationsgeschichteÖsterreichs.ObwohlderIslamdurchdas›Islamge-
setz‹bereits1912–als»ReaktionaufdiestaatsrechtlicheIntegrationBosniens
undHerzegowinasindieHabsburgermonarchie«(Potz2013:45)–staatlicher-
seits alsReligionsgemeinschaft anerkanntwurde, ist diePräsenzvonMusli-
mInnen inÖsterreich vor allemmit derGeschichte derArbeitsmigration in
den ersten JahrzentenderZweitenRepublik verbunden (vgl.Horvath 2014).
ÄhnlichwiedieBundesrepublikDeutschlandsetzteauchderösterreichische
Staat angesichts des Arbeitskräftemangels imwirtschaftlichen Aufschwung
auf die gezielte Anwerbung von ArbeitsmigrantInnen. 1964 wurde ein offi-
zielles Anwerbeabkommenmit der Türkei, 1966 einweiteresmit Jugoslawi-
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik