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Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass im untersuchten In-
terviewmaterial starkeHinweiseaufeine relativ stabileÄquivalenzketteauf-
gefundenwurden, die ›Islam‹ und ›Muslime‹metonymischmit ›Migration‹
und ›Ausländern‹ verknüpft.Dabei ist bemerkenswert, dass dieseVerknüp-
fungdieFigurdes/dermuslimischenAnderenalsChiffre für ›den/dieAnde-
re‹bzw.›den/dieFremde‹überhauptkonstruiert.Dieswirdvonmanchender
Befragten auch reflektiert und als Problemangesprochen.So berichtet eine
JournalistinvonKonflikteninnerhalbderRedaktion,diesichangenaudieser
Frageentzünden:
»UnddaistauchwirklichderSatzgefallenvoneinemKollegen: ›Tragendie
jetzt ihreKonfliktezuunsundzündendieAutosan?‹Woganzklarist–›die‹,
›zuuns‹–dassderIslamgarnichtalsetwasgesehenwird,waszuÖsterreich
dazugehörtundetwasklassischösterreichischesauch istundauchvorden
Gastarbeiterwellenschonwar. Sondernwo immernochdieses, eben,diese
Verknüpfung›Islam‹und›Migration‹ganzstarkpassiert.« (J2f)
Häufiger lässt sich jedocheineunreflektierteReproduktiondieserVerknüp-
fungbeobachten.AnzahlreichenStellenwirdinReaktionaufFragen,diesich
aufdenIslamundMuslimInnen inÖsterreichbeziehen,wie selbstverständ-
lichüber»Migranten«,»Migrantengruppen«,»MenschenmitMigrationshin-
tergrund« oder »Ausländer« gesprochen. So brachte ein Journalist, auf die
FragenachwesentlichengesellschaftlichenKonfliktfeldernzumThemaIslam,
den»Ausländeranteil«unterStrafgefangenen inÖsterreichzurSprache:
»Eine interessanteZahl ist ja, vonden8.000Strafgefangenen, rund8.200,
istdieHälfteAusländer.Dasinddienichtmitgezählt,dieschoneingebürgert
sind.DaseinmalalsArgumentzualldenen,diesagen›na,dasistjagarnicht
wahr,namanmussdasnichtsosehen‹.Nagenausomussman’ssehen!Weil
jederzweiteAusländer ist.« (B2m)
Der JournalistnenntdannwiederumunterschiedlicheNationalitäten,die in
österreichischenGefängnissenvertretenseien,besinntsichdannaberaufdie
FrageundschließtdieEpisodeabmit:»Abernaja,Ihnengeht’s janurumdie
Moslems« (B2m).
DieserTopos ist engmitPraxenderEthnisierungvonMuslimInnenver-
bunden, die in Kapitel 6.1.2 ausführlich behandelt werden. An dieser Stel-
le genügt es,darauf hinzuweisen,dass anhanddesMaterials fürÖsterreich
bekräftigtwerdenkann,wasFerruhYılmazals »commonknowledgeamong
scholars of immigration and theFarRight« bezeichnet: »ThatMuslimshave
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik