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192 ImNamenderEmanzipation
grundgibt es schlechtere Ergebnisse, dannkannmandas ja immerunter-
schiedlich begründen.Man kanndasmit unterschiedlichen Einkommens-
oderBildungsschichtenderElternbegründen,odermankanndasebenmit
derHerkunftoderderKulturbegründen.DaswäresoeinklassischerFall,wo
maninderRedaktiondiskutiert.« (J2f)
Die Journalistin distanziert sich von einem Begründungszusammenhang,
derHerkunft oderKultur für schlechtereBildungsergebnisse verantwortlich
macht, betont aber, dass dies unter ihren KollegInnen durchaus verbreitet
ist. Ein weiterer Journalist kommt einer solchen Kulturalisierung selbst
durchausnahe.Er reagiert aufdieselbeFrage, indemersichzunächst selbst
daran erinnert, keine »falschen« –was imKontext nur bedeuten kann: als
rassistisch lesbare – Formulierungen zu verwenden: »(Seufzen) … Das ist
jetzt schwierig, das muss jetzt korrekt formuliert werden.« (J1m). Daran
anschließenderklärt er,dassesvieleKolleginnenundKollegengebe,
»dienursehen,dassdieMigranten,diemuslimischenMigranten,zweifels-
ohne relativ schlecht behandelt werden. Ja, das ist ein Faktum. Über das
hupft niemanddrüber.Während ichundeinige andere, hier undauchbei
anderenMedien,denFokuslegenaufdieselbstfabriziertenBehinderungen
vielerMuslime.«(J1m)
Diese »selbstfabriziertenBehinderungen«werdendann–wie er selbst ein-
räumt – anekdotisch belegt und imWesentlichen als Bildungsferne oder
-feindlichkeit dargestellt: »Solche Haltungen, ja, zum Teil auch Burschen
gegenüber: ›Der brauchtnix lernen,der soll beimir imGeschäft helfenund
wennerMechanikerwird ist es eh toll, das reicht‹« (J1m).DieVerknüpfung
mitdemIslamals ›Kultur‹wirdvon ihmdannals »Problematik«gerahmt:
»DieseProblematik,dassesganzwenigemuslimischeAufsteigergibt,oder
zuwenigemuslimische Aufsteiger imVergleich etwa zu den asiatischen.
Diese Problematikwird vonmanchen nicht so gerne angegriffen, weil da
kommtmanleichtineinProblematisches,Nationalcharakteroderwasauch
immer,nicht?«(J1m)
Wir werden in Kapitel 7 näher auf Beispiele der Kulturalisierung des/der
muslimischen Anderen eingehen, die auf Mechanismen der rassistischen
Veranderung verweisen.Andieser Stelle soll gezeigtwerden,wie der Topos
des sozialen Status ein Einfallstor für einen bestimmtenMechanismus der
Kulturalisierungbietet, indemBildungeinerseitsalswichtigstererklärender
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik