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›Ausländer‹ gerichtet hatte. Bemerkenswert ist hier besonders die durchge-
hendeDistanzierungvonrechtsdurchallebefragten JournalistInnen–auch
durch jene, die der Partei inhaltlich durchaus zugestehen, ›reale Probleme‹
oder ›Integrationsdefizite‹ anzusprechen.Migration und Integrationwirkt als
ToposinersterLiniedurchdie jüngereGeschichtederArbeitsmigrationnach
ÖsterreichindiemuslimischeFrageein.DieFigurdestürkischen›Gastarbei-
ters‹metamorphosiert imuntersuchtenDiskursfeldzunächsthistorischzum
›Muslim‹.ZugleichfindetaberaucheinemetonymischeVerkettung–eineAr-
tikulation–von ›Migrant‹ und ›Muslim‹, ›Migration‹ und ›Islam‹ statt.Dies
lässtsichanhandvonPassagenverdeutlichen,indenenaufFragennachMus-
limInnen inÖsterreichmitnarrativenEpisodengeantwortetwird, indenen
von unterschiedlichsten ›Migrationshintergründen‹ die Rede ist.Hier steht
dieFigurdesmuslimischenAnderenalsChiffre fürdasFremdeüberhaupt.Der
ToposStatus,BildungundKlasse istengmitdemvorherigenverknüpft,schreibt
er doch die Geschichte der Arbeitsmigration vor allem türkischer ›Gastar-
beiter‹ indieGegenwartmuslimischerPräsenz inÖsterreich fort.DieFigur
des/dermuslimischenAnderenrepräsentierthiersozialtopologischalsonicht
nur ein ›Außen‹ (›das Fremde‹), sondern auch ein ›Unten‹ (›das Schwache‹).
Hier könnenParallelenmit der bundesdeutschenDiskussionumdiemusli-
mische›Unterschicht‹gezogenwerden,wiesieinsbesondereab2010vonThi-
loSarrazinangestoßenwurde.CharakteristischfürdasuntersuchteMaterial
istjedoch,dassdievonSarrazinvertreteneNaturalisierungsozialerUngleich-
heit vermiedenwird.Wirksam ist hier eher eineKulturalisierung, die (feh-
lende)Bildung sowohl als individuellewiealskollektiveEigenschaftkonstru-
iert undalsUrsache fürdieKlassensituationpost-migrantischerMuslimIn-
neninÖsterreichannimmt.SchließlicherweisensichAuseinandersetzungen
umGeschlechterverhältnissealszentraleAchseinderArtikulationdermuslimi-
schenFrage.DerenbesondereBedeutungmanifestiert sich inderKonstruk-
tion einesmuslimischenGeschlechterverhältnisses, das als besonders gewaltvoll
und deshalb dem gesellschaftlichenmoralischen Konsens äußerlich darge-
stellt wird.Dieser Topos ist am stärkstenmitWir-Sie-Konstruktionen ver-
knüpft.Darin trifft sich die vorliegendeAnalysemit demForschungsstand,
der die Zentralität von Geschlechterfragen betont. Die »Gleichstellung von
Mannund Frau«, so etwaBirgit Rommelspacher,wird in diesenDiskursen
zum »Prüfstein für die Akzeptanz des Islam in westlichen Gesellschaften«
und weckt »so starke Emotionen« (Rommelspacher 2009c: 34) – unabhän-
gig davon,wie es umdieDurchsetzung feministischer Forderungen in den
jeweiligenGesellschaften tatsächlichbestellt ist.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik