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206 ImNamenderEmanzipation
NurdieTatsache,dassder/diemuslimischeAnderehieralsChiffrefürMigra-
tionundFremdheit schlechthin steht, erlaubt es demSprecher, in schneller
Folge vonkroatischenAutokorsos, »Multi-Kulti-Wiesen«und thailändischen
Lebensmittellädenzusprechen.
EtwasandersverhältessichbeieinemweiterenJournalisten,derdasRe-
gister derEthnie imKontext vonGewaltkriminalität aufruft. Auf die Frage,
in welchen Zusammenhängen dasThema Islam seiner Erfahrung nach am
häufigstenauftaucht,meinter:
»Fallweise bei Auseinandersetzungen in bestimmten Ethnien, wo man
vielleicht versucht ist, dem Islam die Art der Auseinandersetzung zuzu-
schreiben. Gewalt gegen Frauen, Zwangsverheiraten, besondere Clan-
Auseinandersetzungen,datauchtdasThemaimmerwiederauf.Zumindest
alsHintergrund.«(E2m)
Wenigspäterberichteter,dasses indieserFrageUneinigkeitunterKollegIn-
nengab:
»WirhattenAuseinandersetzungenmittschetschenischenClans,diewaren
sehrgewalttätig,daistaberdannteilweisevondemeinenoderanderenein-
gebrachtworden:Naja, das istder Islam.Andere seheneswiederals ganz
normalenAusdruck einer archaischen Stammesstruktur, die halt ein biss-
chenbrutalerumgeht,dashatdannwiedermitderReligionnixzutun.(Seuf-
zen)Das istmanchmalsehrschwierigzuunterscheiden:Kommtdajetzt ir-
gendjemandmitdemIslam-Argumentodersinddaseinfachnurarchaische
Stammesstrukturen,dieandereUmgangsformenzuHausepflegenunddie
dannnachEuropaexportieren.« (E2m)
HierunterscheidetderBefragtediereligiösevonderethnischenKomponen-
te, geht zugleich aber davon aus, dass eine davon für die Berichterstattung
überGewalttaten relevant seinmüsse.Die kulturalistischeGrundierungdes
Arguments changiert hier zwischen der Ethnisierung im eigentlichen Sin-
ne und einerweiteren Formder Kulturalisierung, die im Folgenden vorge-
stellt wird:DerGenealogisierungdes/dermuslimischenAnderen.Ethnisie-
rung kann also als Sonderfall der Kulturalisierung beschriebenwerden, die
›Kultur‹mit der Idee einer ethnisch grundierten nationalen Identität kurz-
schließtunddadurcheineaufEssentialisierungundHierarchisierungberu-
hendeDichotomievonEigenemundFremdenherstellt.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik