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208 ImNamenderEmanzipation
Hier fallen alsonichtnur,wie inderEthnisierung, ethnischeundkulturelle
BestimmungeninderFigurdes/dermuslimischenAnderenineinander,diese
werdenauchineingenealogischesSchemageordnet:Die»ethnisch-religiöse
Grundierung«vonJugendgewaltwirdalsvererbteQualitätangenommen.Die-
senModusderKulturalisierungnenneich,imAnschlussandieBemerkungen
vonEtienneBalibarundManuelaBojadžijevsowieeinejüngereFormulierung
desniederländischenSoziologenWillemSchinkelaufgreifend,Genealogisie-
rung.SchinkeluntersuchtundkritisiertDiskursederIntegrationindenNie-
derlanden, die er als »kulturistisch« (»culturist«) bezeichnet (Schinkel 2013;
2017).ImUnterschiedzum»Kulturalismus«(»culturalism«),derinseinerfrü-
hen anthropologischenAusarbeitungdarauf verwiesenhabe, dassDifferen-
zenzwischenMenschenundMenschengruppenalskulturell,nichtnatürlich
begriffenwerden sollten,behaupteder »Kulturismus«darüberhinaus,nach
Schinkel, »that there are different cultures, but these can be incompatible
and they should thereforenotbemixed. It therebyconstitutesanequivalent
discourse of alteritywhile it discursively opposes itself to racism in amore
conventional sense. […]Culturismthusconstitutes thenegativeevaluationof
culturesdifferent fromwhat is deemed tobe thedominant culture« (Schin-
kel2013: 1145-1146).DaSchinkel sicheinemengenBegriff vonRassismusver-
schreibt, trennt er diesenKulturismus vomKonzept desRassismus.Was er
mit Blick auf niederländische Integrationsdiskurse beschreibt, kommt den
indieserArbeituntersuchtenPhänomenen jedochsehrnahe: »Variousother
cultures,takenasboundedentitiesconnectedtobothethnicityandgrounded
inassumedethniccommunities […],are thought tobe incompatiblewiththe
dominant culture; that dominant culture is regarded as enlightened, secu-
lar and tolerant« (Schinkel 2013: 1146). In seinemBuch»ImaginedSocieties«
untersucht Schinkel,wie niederländischeBehördenund staatsnahe Institu-
tionendie »sozio-kulturelle Integration« von»allochthonen«4Bevölkerungs-
gruppenmessen. Seine Kritik richtet sich gegen das Gesellschaftsbild, das
diesenAnstrengungenzugrunde liegt:Eine imKernorganizistische,aufder
Biologie entlehntenMetaphern beruhende Konzeption einer ›Aufnahmege-
sellschaft‹, die selbst synonymwirdmit ihren ›autochthonen‹ Teilen (Schin-
kel 2017: 90). ›Gesellschaft‹ wird im Integrationsdiskurs zu einerMesslatte
4 Der niederländische Staat unterscheidet zwischen ›allochthonen‹ und ›autochthonen‹
Menschen im Land: »Als ›autochthon‹ werden ›einheimischeNiederländer‹, alsoMen-
schenmit zwei indenNiederlandengeborenenElternbezeichnet. ›Allochthone‹ haben
dagegenmindestenseinenimAuslandgeborenenElternteil« (Ersanili2014).
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik