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212 ImNamenderEmanzipation
erals»demokratie-undverfassungsfeindlich«bezeichnet,nichtalsrepräsen-
tativ fürMuslimInnen inÖsterreichdarzustellen.Erdifferenziertundweist
daraufhin,dassdiesePhänomenevonMuslimInnenmehrheitlichabgelehnt
werden: »Weil innerhalb derMuslime eigentlich die Ablehnung gegenüber
denen,dieden Islam inVerruf bringenunddieden Islam ineinpolitisches
Eck rücken zu versuchen, viel größer ist als in dermehrheitlichnicht-mus-
limischenGesellschaft.« (B1m)Hier lässt sich das zuvor beschriebene Phä-
nomenbeobachten,wonach imZusammenhangmit demTopos ›Krieg und
Terror‹ ein starkesBewusstsein fürdieGefahrenpauschalisierender, abwer-
tenderoderdämonisierenderDarstellungendes Islamvorhanden ist.Dieser
Haltung–mankönnte sie eine latent rassismuskritische nennen–verleiht
derRedakteur imLaufedes Interviews immerwiederAusdruck.Soweist er
auf den »Integrationsstress« hin, unter denenMuslimInnen seiner Ansicht
nach»leiden«.ErerzähltauchvoneinemfrüherenKonflikt inderRedaktion,
indemer sichgegeneinenKollegengestellt habe,der sich in einemBericht
abwertendüberMuslimegeäußerthatte.DieserVorfall sei für ihn»traurig«
gewesen,weil erdieWortwahldesKollegenals repräsentativ füreinegesell-
schaftlicheantimuslimischeStimmunginterpretiert:
»DasTraurigeandiesemFall, derbeiunswar, […] ist, dassdas ja sehr stark
wiedergibt,was inganzweitenTeilenderGesellschaft vorhanden ist. Also
ein gewisser Hass gegenüber dem Fremden, und das ist schon nicht nur
Angst,das istnichtnurXenophobie, sonderndas istwirklicheinHass,eine
tiefeAbneigung,AblehnunggegenüberdemFremden,diebeimIslamviel
stärkeristalsgegenüber,zumBeispiel…äh…gut,Deutschland,diedeutsche
Minderheit inÖsterreich ist jetzt vielleicht kein sogutesBeispiel, aber als
gegenüber Serben,Kroaten, Bosniern, Kosovaren, alsoMenschen, die vom
Balkankamen, speziell inden90er Jahren,diesindsichernicht soverhasst
in weiten Teilen der Gesellschaft wieMuslime, egal wo sie herkommen«
(B1m)5
Diese rassismuskritische Position kippt jedoch dort, wo der Journalist den
ToposdesmuslimischenGeschlechterverhältnissesaufruft.AufdieFrage,wo
ergesellschaftlicheKonflikteimZusammenhangmitdemIslaminÖsterreich
sieht,antwortet er: »DieStellungderFrau«undführtwenigspäter fort:
5 DieAuslassungdientderAnonymisierungdesInterviewpartners.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik