Seite - 214 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Bild der Seite - 214 -
Text der Seite - 214 -
214 ImNamenderEmanzipation
zwar innerhalbdieserGesellschaftexistiert,aber ihrwesensmäßigäußerlich
ist.DieseTrennungkannkeine räumliche sein, sondern siewirdals zeitliche
Grenzekonstruiert.DiesedichotomisierendeBehauptungderUngleichzeitigkeit
machtdenKernderTemporalisierungaus.SiewirdnunanhandweitererBei-
spielenäherverfolgt.
6.2.2 DieSubjektedesnoch-nicht
Ein entscheidendes Element der Temporalisierung ist, dass die Gegenwart
des/dermuslimischenAnderenals Präsenzder eigenenVergangenheit inter-
pretiertwird.DieAnnahme,dassMuslimInnenzeitlichnochnicht dort an-
gekommen seien, wo ›wir‹ uns bereits befänden, geht davon aus, dass alle
gesellschaftlichen Gruppen eine bestimmte Folge von historischen Prüfun-
gen bestehen oder Lernprozesse durchlaufenmüssen.Wemdiese noch be-
vorstehen,deroderdiekannistkulturell rückständig.Daszeigtdie folgende
Passage sehr deutlich. Sie stammtaus einemInterviewmit einerMagazin-
Journalistin.AufdieFrage,welchegesellschaftlichenKonflikteausIhrerSicht
mit demThema Islam verknüpft sind, reagiert sie zunächst, indem sie die
Formulierungdes ›Kulturkonflikts‹zurückweist.Schonzuvorhattesiemehr-
fachbetont,dasssiepauschaleAussagenüber ›dieMuslime‹ablehneunddas
›FeindbildIslam‹alsgesellschaftlichesProblemsehe.Dabeigehtsie teilweise
überdie latentantirassistischeHaltungandererBefragterhinausundäußert
sichdeutlichkritisch,etwazurpolitischen›Integrationsdebatte‹.Alssieüber
einenArtikelberichtet, indemesumImamealsmuslimische»Integrations-
figuren« ging, unterbricht sie sich selbst: »Wobeimittlerweile (Lachen)will
ich auch dasWort Integration schon nichtmehr hören. Also es haben sich
dieBegriffe jaauchschonrechtgeändert.«AufNachfrageerläutertsie:»Weil
damit immergemeint ist:EsgibteinedurchdieHerkunftdefinierteGruppe,
dieeinProblemhat,unddiemüsstedasProblemlösenunddannwäre Inte-
grationgelungen.AlsosowiederBegriff Integrationverwendetwird,will ich
ihneigentlichschonfastnichtmehrverwenden.« (I1f)Trotzdemtauchtauch
indiesemInterviewderMechanismusderTemporalisierungdort auf,woes
umdasmuslimischeGeschlechterverhältnisgeht:
»Vielleicht muss ich das noch anfügen, dass ich lieber über patriarchale
Strukturen redenwürde als überReligion.Weil diese patriarchalen Struk-
turen gibt’s im Christentumgenauso. Und ich bin in den 70er Jahren am
Landaufgewachsen, ichkenn’dastotalgenau,diesesDreinredenderKirche
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik