Seite - 216 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Bild der Seite - 216 -
Text der Seite - 216 -
216 ImNamenderEmanzipation
DieseKonstruktion funktioniert auch,wennder historischeBezugsrah-
menweiter gespanntwird,dieTemporalisierungdes/dermuslimischenAn-
deren erweist sich als überaus flexibel.Das zeigenAusschnitte einesweite-
renInterviews,dasmiteinemTageszeitungs-Journalistengeführtwurde.Er
identifiziert sich im Laufe des Interviewsmehrfach als »Christ« und »Ka-
tholik« und erwähnt auch, dass die Zeitung, für die er schreibt, lange eine
»katholische Imprägnierung« gehabt habe.Das sei für eine aufgeschlossene
Auseinandersetzungmit demIslamundMuslimInnendurchaus vonVorteil
gewesen, erklärt er imGespräch, denn dadurch sei die Redaktionweniger
anfällig für pauschal abwertendeHaltungen,wie er sie in anderenMedien
wahrnehme:
»Grundsätzlich istmirnichtaufgefallen,dasswirdainderRedaktiongroße
Brüchehätten.EinegrundsätzlichpositiveHaltunggegenüberReligionenist
vorhanden, immergewesen,warauchimmeroffengegenüberanderenRe-
ligionen, trotzodervielleichtauchwegenderkatholischenImprägnierung,
diedieZeitunghatteundhat,istalsoderUmgangmitReligiongewohntund
nichtexotischfurchterregend.«(C2m)
Erselbst bezieht sichmehrfachpositiv aufBeispiele für aus seinerSichtge-
lungene Initiativen zum interreligiösen Dialog und betont seine Offenheit
undNeugier–erhätte schonfrühBildungsveranstaltungenbesucht,umdie
religiösen Grundlagen des Islam zu verstehen. Befragt danach, wie er den
UmgangderMedienlandschaft inÖsterreichmitdemThemaIslamundMus-
limebewertet,beklagter,dasses indenmeistenRedaktionen»relativwenig
KundigkeitgibtundauchwenigInteresse,also jetztamIslaminseinemreli-
giösenKern.EswirdeigentlichimmernuralsProblemfeldgesehenundnicht
als normalenTeil unseres gesellschaftlichen, religiösen Lebens hier« (C2m).
AndieserStelle beginnt einenarrativeEpisode,die in eine starkeTempora-
lisierungdes/dermuslimischenAnderenmündet.Der Journalistüberlegt im
Anschluss an seineBemerkung,dass der Islam»immernur als Problemfeld
gesehen«werde,worandas liegenkönnte,undsuchtdieGründedafür inder
Entwicklungdes IslamalsKultur:
»Dazuistesvielleichtnochzukurz,dass…ichmein’,daswarschoneinekom-
pakte, nicht einmaldurchdenProtestantismus irritierte, kompakteKultur.
Unsere,diejetztschonlangsamaufbricht,dasdauertGenerationen,bissich
dainderGrundhaltungwasändert,wasdasSelbstverständnis ist.« (C2m)
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik