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6Â Â Â VonderKulturalisierungzurTemporalisierung 217
Die ungewöhnliche Formulierung »kompakte Kultur« taucht gleich darauf
nocheinmalauf.Ererzählt voneinemBesuch indenUSA:
»[Wirwaren] auch ineiner großenMoschee, umzu schauen,wieMuslime
indemLandleben,unddaswarerstaunlichzusehen,wiekompaktund im
Grunde isoliert vomRestderGesellschaft, selbst in einer auf religiöser To-
leranzbasierendenGesellschaftwiederamerikanischen,dortdieMuslime
sind.«(C2m)
Diese »Kompaktheit«–er verwendet auchdie Formulierung, dassMuslime
indenUSAeine»Parallelgesellschaft«bildeten–führt ernunaufdieEigen-
schaftender islamischenReligionzurück: »Wasvielleicht schoneinbisschen
mitderReligionzutunhat.Also,dassdasquasiganz,nurvonauĂźenherange-
tragenist,glaub’ ich inzwischeneigentlichnichtmehr« (C2m).DieseAnsicht
erläutert erdurcheinenVergleichmitdemChristentum,wobei erzweiThe-
senvertritt.DieerstestelltdenIslamals»Sieger-Religion«demChristentum
als»Underdog-Religion«gegenüber:
»Eshatschonauchdamitzutun,dassder IslameineSieger-Religionistund
eigentlichlangsamjetzterstlernenmuss,ineinerMinderheitenpositionein
eigenesSelbstverständniszuentwickeln.WährenddasChristentumimmer
eineUnderdog-Religionwar.DaswarenimmerdieAufsteiger,wennmanso
will,alsodieUnterdrĂĽckten,unterdrĂĽckt, jahrelang, jahrzehntelangamAn-
fang, jahrhundertelang,undisterstspäterdannzurbeherrschendenReligi-
ongeworden.Ichglaub’,dasisteingrundsätzlicherUnterschied,obmansich
militärischverbreitetunddanntopdownVölkermissioniert,oderobdasvon
untenwächst.« (C2m)
Inwiefern dieMissionsgeschichte desChristentums in diesemBild akkurat
dargestellt wird, soll an dieser Stelle nicht erörtertwerden. Für unsereUn-
tersuchunggenügteszunächstfestzustellen,dassdieGegenüberstellungvon
»Sieger-Religion«und»Underdog-Religion«alserklärenderFaktordafürprä-
sentiertwird,dassder Islam»immeralsProblemfeldgesehenwird«.Beson-
ders relevantwird diese Argumentation dort,wo in einemNebensatz tem-
poralisierendeMarker eingesetztwerden,umdieseDifferenzzuverstärken:
»und eigentlich langsam jetzt erst lernenmuss.«Wasmit dieser Bemerkung
gemeint ist, fĂĽhrtderRedakteurkurzdanachaus:
»WennmanjetztmitdieserHaltungineinersozialschlechtergestelltenPo-
sition,ineinerwirtschaftlich,politisch,militärischdominantenGesellschaft
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Ă–sterreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik