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218 ImNamenderEmanzipation
lebt, ist das ein irres Reibungspotenzial. Alsowiemandas aushält istmir
schleierhaft.Unddas istderProzess,der jetzt imGangeist imIslam,wosie
das lernen,auchnureinTeil zusein,nicht inallemhundertprozentig recht
zuhaben. Es ist eheineewigeSchwierigkeit, fürChristenauch,unsereRe-
ligion istmeiner, unsererAnsichtnach jadieErlösungunddasNonplusul-
tra, und trotzdemakzeptiere ich,dassAndereandereReligionenausüben.
Istnichtwirklichganzaufzulösen.Wirhaben’s irgendwiemühsamgelernt,
indemwirvielaufdieMützebekommenhaben,dieMuslimekriegen’s jetzt
aufdieMütze.« (C2m)
Hier tauchenMuslimInnenabermalsalsSubjektedesnoch-nichtauf–dies-
maljedochmitBezugaufdenProzessdereuropäischenSäkularisierung.Die-
sehistorischeErfahrung,die er nicht als Person, aber als Teil desKollektiv-
subjekts»Christen«zuseinereigenenmacht,wirdalsschmerzhaftmarkiert:
»Wir haben’s irgendwiemühsamgelernt, indemwir viel auf dieMütze be-
kommenhaben«. Entscheidend für sein Argument ist, dass diese schmerz-
hafte Lernerfahrunghinter ihm, aber noch vor denMuslimInnen liegt.Der
DiskursmechanismusderTemporalisierungtauchtwenigspäternocheinmal
auf, ineinerAntwortaufdieFrage,welcheKonfliktfelderausseinerSichtge-
genwärtigmit dem Islamverknüpft sind.Hier nennt er »Mann–Frau« als
»ganz zentral« und führt kulturelle Konflikte abermals auf seineThese vom
Islamals »Siegerreligion« zurück.Der Islamhabe imVergleich zumChris-
tentumein»ungebrocheneresVerhältniszurMacht,auchpolitischerMacht«,
allerdingsseiauchdasmitdernochnichtgemachtenLernerfahrungverbun-
den,denn:
»Jetztwardasnatürlichbei uns ganzgleich.DieKirchenhabengenaudie
gleicheDominanz gehabt undauchdie gleiche Forderung, alles gleichzu-
schalten und die eigenenWertvorstellungen in Gesetze umzusetzen. Das
gibt’s nichtmehr unddas ist jetzt vielleicht hundert Jahre imGange,was
ganzkurz ist,wirklichkurz.Undvielleicht schafft auchdasnochSpannun-
gen, dasswir hier einen Schritt getanhaben, dendie anderen erst zu tun
beginnen«(C2m)
Die Intention ist hierdurchausals selbstkritischzuerkennen. IndemParal-
lelen zwischen ›uns‹ unddemIslamgezogenwerden, soll dessenFremdheit
relativiert werden. Doch der Preis für die Aufgabe einer naturalisierenden
Veranderung ist dasZurückgreifenauf ihre temporalisierendeVariante.Die
Trennungzwischen›uns‹und›ihnen‹wirdentlangeinerzeitlichenGrenzege-
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik