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ichmichauf vierArbeiten,diedasProblemderTemporalisierungaufähnli-
cheWeise–wennauchmitunterschiedlichenBegriffen–behandelnunddie
fürdieErforschungdesgegenwärtigenantimuslimischenRassismusbislang
kaumberücksichtigtwurden.Dabei handelt es sich umdie Selbstkritik der
anthropologischenTheoriebildung durch Johannes Fabian (2014 [1983]); die
postkoloniale Kritik des Eurozentrismus durchDipesh Chakrabarty (2008);
die feministisch-psychoanalytische Kulturgeschichte des kolonialen Begeh-
rensdurchAnneMcClintock (1995); unddieAnalysedes ›rassifizierten‹Cha-
raktersmoderner Staatlichkeit durchDavidTheoGoldberg (2002). Die fol-
gendenAbschnittestellenkeinekritischeRekonstruktiondieserArbeitendar,
sondern sollen helfen, denMechanismus der Temporalisierung imZusam-
menhangderGeschichteundGegenwart verschiedenerRassismenzuveror-
ten.Sosolldeutlichwerden,wiedieTemporalisierungdes/dermuslimischen
AndereneinenhistorizistischenRassismuskonstituiert.
6.3.1 JohannesFabian:dieVerweigerungderGleichzeitigkeit
EinedererstensystematischenAuseinandersetzungenmitderRollevonZeit-
lichkeitinderProduktionvon›Anderen‹ legtederdeutsch-amerikanischeAn-
thropologe JohannesFabian1983vor.»TimeandtheOther.HowAnthropolo-
gyMakesItsObject« isteineSelbstkritikanthropologischer (Schreib-)Praxis.
Fabiangreiftdarineine fundamentaleErschütterungderanthropologischen
undethnologischenDisziplineninden1970er Jahrenauf.Antikoloniale,häu-
figmarxistischinspirierteKritikskandalisiertedieKomplizenschaftodergar
konstitutive Verschränkungder Anthropologiemit kolonialen und imperia-
listischenPolitikenderAusbeutungundVernichtung.Fabianakzeptiertdiese
Kritik undmacht sie zumAusgangspunkt seinerÜberlegungzurPraxis der
Temporalisierung:
»Anthropology’s claimtopoweroriginatedat its roots. It belongs to its es-
senceandisnotamatterofaccidentalmisuse.Nowhereisthismoreclearly
visible, at least oncewe look for it, than in theuses of Timeanthropology
makeswhenit strives toconstitute itsownobject– thesavage, theprimiti-
ve, theOther.« (Fabian2014[1983]: 1)
Fabianwillzeigen,dassAnthropologInnendieObjekteihrerStudien–›frem-
deKulturen‹–als temporalisierteAnderekonstruieren.DieDifferenzzwischen
dem forschenden Subjekt und dem erforschten Objekt wird, so das Argu-
ment, nicht allein durch räumliche, sondern ebenso konstitutiv durch zeit-
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik