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des/dermuslimischenAnderen einladen–ohne dass damit eineGleichset-
zungderPositionenunterstelltwird.Weder entspricht die Positionder von
miruntersuchtenJournalistInnenjenerethnografischarbeitenderAnthropo-
logInnen; noch sindMuslimInnen inÖsterreich heute in der gleichen Lage
wie anthropologischbeforschte ›Fremde‹ imglobalenSüden.Unddoch ver-
weist FabiansKritik auf einehistorischeTiefendimensionderTemporalisie-
rung als »politischer Akt«, ohne die ein Verständnis der oben dargestellten
Diskursmechanismenmangelhaft bleibt. Das, obwohl sie Distanz zumBe-
griff desRassismushält,wieFabian selbst in einer selbstkritischenFußnote
erklärt.Darinhält er fest »thataclearconceptionofallochronismis thepre-
requisite and frame for a critique of racism. Refutations of racist thought
fromgenetics and psychology are useful, but theywill not as such do away
with raceasan ideological and, indeed, cosmological concept.« (Fabian2014
[1983]: 202). In gewissemSinne folgt die Darstellung in Kapitel 6.2 diesem
Hinweis.SiegreiftdasProblemderTemporalisierungaufundstößtdabeiauf
MechanismenderVeranderung,diedemAktder ›VerweigerungderGleich-
zeitigkeit‹durchausähneln.DervonFabianbeschriebene›Allochronismus‹ist
dadurchgekennzeichnet,dassder/dieAnderealsVerkörperungvergangener
Epochenkonstruiertwird, arretiert auf einemZeitstrahl, deruniversell und
evolutionär indieGegenwartder europäischenModernezielt: »Whatmakes
the savage significant to the evolutionist’s Time is that he lives in another
Time« (Fabian2014 [1983]: 27).WennalsovonMuslimInneninÖsterreichbe-
hauptetwird,siehättensichnochnicht ein»liberalesFamilienbild,dasschon
Einzuggehaltenhat inÖsterreich« (B1m)zueigengemacht,hättennochnicht
denschmerzhaftenLernprozessdurchgemacht,zu»lernen,auchnureinTeil
zu sein,nicht in allemhundertprozentig recht zuhaben« (C2m)oderwären
nochnicht inderästhetischenWeltdereuropäischenModerneangekommen,
sohandeltessichdabeiumFormenderTemporalisierung,diedemvonFabi-
ankritisiertenAllochronismus frappierendähneln.Für letztereBehauptung
lieferteinJournalist,derobenvorallemimKontextder»GefahrdesRückfalls«
zitiertwurde,eineindrucksvollesBeispiel.AufdieabschließendeFrage,was
er vomBegriff »Islamophobie«halte, reagiert er aufgebracht: »Ichverwende
das nicht, höchstens in Anführungszeichen« (G1m).Denn von »Islamisten«
werde»allesmit Islamophobiebelegtwasnur leisekritisch ist« (ebd.).Dafür
liefert ereinBeispiel,daser selbstals »vielleichteinesoterisches«einleitet:
»Also ichhalte es nicht für islamophob,wennman sagt… ich zumBeispiel
binderMeinung, ichsag’:Wennes inEuropaKirchenneubautengibt,dann
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik