Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Weiteres
Belletristik
Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Seite - 234 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 234 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich

Bild der Seite - 234 -

Bild der Seite - 234 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich

Text der Seite - 234 -

234 ImNamenderEmanzipation 6.3.3      AnneMcClintock:panoptischeZeitundanachronistischerRaum Eine dritte Perspektive auf das Problem der Temporalisierung eröffnet die Literaturwissenschaftlerin AnneMcClintock. In ihrem 1995 veröffentlichten Werk»ImperialLeather«legtsieeineAnalysekolonialerDiskursevor,dieüber verschiedenste kulturelleArtefakte erschlossenwerden:GemäldeundLand- karten,ReiseberichteundRomane,KarikaturenundkommerzielleWerbung fürAlltagsprodukte,7 aberauchBriefeundTagebücherausdemNachlassei- nes viktorianischenRechtsanwalts undHobbyfotografenmit einemFetisch fürFrauenausderArbeiterInnenklasseEnglands.Wasdiedarausentwickel- tenThesenfürdievorliegendeArbeitrelevantmacht,istdasssieebenfallsdie temporalisierende,historisierendeHerstellung vonAnderen alsObjekte des kolonialenZugriffsbeschreibt. Ausgangspunkt von McClintocks Argument ist, dass die kolonialen ›Entdeckungen‹ außerhalb Europas mit kulturellen Repräsentationen der entdeckten oder zu entdeckenden Territorien verknüpft waren, die verge- schlechtlicht, rassifiziert und klassenbezogen waren. Zu erobern war ein »empty land«,daszugleich»virgin land«war:»Withinpatriarchalnarratives, to be virgin is to be empty of desire and void of sexual agency, passively awaiting the thrusting, male insemination of history, language and rea- son« (McClintock 1995: 30). Die Kategorie der Kolonisiertenwurdemit der Kategorie der Frau bzw. desWeiblichen ko-konstituiert – und in weiterer Folge auf die arbeitenden Klassen im Inneren es Imperiums übertragen. Die »Leere« der »empty lands« – die ja tatsächlich nicht leer, sondern von Indigenenbewohntwaren–wurdenachMcClintock symbolischhergestellt, indemderenBewohnerInnen in einen »anachronistischenRaum«verdrängt wurden: »According to this trope, colonized people – likewomen and theworking classinthemetropolis–donotinhabithistoryproperbutexist inaperman- ently anterior timewithin the geographic space of themodern empire as anachronistichumans,atavistic, irrational,bereftofhumanagency–the li- vingembodimentofthearchaic ›primitive.‹« (McClintock1995:30). 7 McClintockprägte in »Imperial Leather«dafürdenBegriff »commodity racism« (McClin- tock1995:207)zahlreicheStudienschlossenseitherandenBegriffan.DerBegriffmeintz, dass warenförmige Konsumgüter und ihre Bewerbung rassistische Diskurse über den WeltmarktverbreitenunddiesesoindieprivateSphäredesHaushaltseindringenlassen (vgl.Hundetal.2013).
zurück zum  Buch Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich"
Im Namen der Emanzipation Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Titel
Im Namen der Emanzipation
Untertitel
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Autor
Benjamin Opratko
Verlag
transcript Verlag
Ort
Bielefeld
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4982-0
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
366
Schlagwörter
Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
Kategorien
Weiteres Belletristik
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Im Namen der Emanzipation