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6Â Â Â VonderKulturalisierungzurTemporalisierung 241
6.3.5Â Â Â VomRacialHistoricismzumhistorizistischenRassismus:
die InvertierungdesanachronistischenRaums
DievierhierdiskutiertenAnsätzedienenalsHinweisaufdiehistorischeTie-
fenstrukturrassistischerVerhältnisse,andiegegenwärtigeFormenderTem-
poralisierung (ob bewusst oder unbewusst) anknĂĽpfen. Zugleich bieten sie
eine Terminologie, die es uns erlaubt, die Temporalisierung des/dermusli-
mischen Anderen adäquat zu bezeichnen. Angelehnt an den von Goldberg
entwickelten Begriff des »racial historicism« will ich das hier untersuchte
Phänomender Temporalisierung des/dermuslimischenAnderen als histori-
zistischenRassismusbezeichnen.Sokönnendiezuvorvorgestelltenunddisku-
tiertenCharakteristikaderTemporalisierungdes/dermuslimischenAnderen
rassismustheoretisch perspektiviert werden.DieBehauptung derUngleichzei-
tigkeiterweistsichdabeialsstrukturellhomologmitdervonJohannesFabian
beschriebenen»VerweigerungderGleichzeitigkeit«.Sieberuht,wieobendar-
gestellt, auf einem allochronistischenDiskurs, »adiscoursewhose referenthas
beenremovedfromthepresentof thespeaking/writingsubject« (Fabian2014
[1983]: 143).Dort,woüberMuslimInnengesprochenwird,alswärensienicht
TeildereigenenGegenwart–weilsieeineuniversellgesetzteSequenzindivi-
duellerundgesellschaftlicherLernprozessenochnichtdurchlaufenhätten–
wirkenMechanismeneines solchenallochronistischenDiskurses.Sie folgen
zunächsteiner ›firsthere,thenelsewhere‹-Logik,wiesievonChakrabartyals
»Historizismus«beschriebenwird.DiedarineingelasseneverräumlichteZeit
wirkthier jedochnicht alsVeranderungderBewohnerInnenweit entfernter
›fremderOrte‹.McClintocksAnalyse zeigt,wieder ›anachronistischeRaum‹
imLaufeder zweitenHälftedes 19. Jahrhunderts ins InnerederMetropolen
verlagertundentlangderKategorien ›race‹,Geschlecht,KlasseundSexuali-
tät bestimmtenKörpern zugewiesenwurde. Imhier untersuchtenMaterial
sinddie ›Subjekte desnoch-nicht‹ ebenfalls im Innerendesphysischenund
symbolischenGesellschaftsraumsverortet–wasdie Interviewten inFormu-
lierungenwie»beiuns«oder»hier«ausdrücken.Mankannalso inAnschluss
anMcClintockvoneiner InvertierungdesanachronistischenRaumes imantimus-
limischenRassismus sprechen.Das die eigeneVergangenheit verkörpernde
Fremde stülpt sich ins Innere des Gesellschaftskörpers. Diese Invertierung
wirdbesonderswirkmächtig inderBehauptungeinerGefahrdesRückfalls,die
sichausderVerschränkungvontemporalerDistanzundräumlicherNäheergibt.
DavidTheoGoldberg verortet die Temporalisierung des/er Anderen ex-
plizit inderGeschichteder europäischenRassismen.ErbetontdassRassis-
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Ă–sterreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Ă–sterreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik