Seite - 243 - in Im Namen der Emanzipation - Antimuslimischer Rassismus in Österreich
Bild der Seite - 243 -
Text der Seite - 243 -
6 VonderKulturalisierungzurTemporalisierung 243
(undinabgeschwächterFormauchFabian,ChakrabartyundMcClintock)die
inKapitel3kritisiertekonzeptionelleVerbindungzwischen›race‹undRassis-
musnichtnuraufrechterhält, sondernnochverdichtet (vgl.Hund2016: 533).
Seine Konzeptualisierung des »racial historicism«–dessenWirken er aus-
drücklichnichtaufdessenkolonialeAusprägungenreduziertwissenwill (vgl.
Goldberg2009)–istaufsengsteverknüpftmiteinerrassismustheoretischen
Position,diewir ›PrimatderRasse‹nennenkönnten.Goldberghält ›Rassen‹
freilichnichtfüreinebiologischeRealität,sondernfüreindiskursivesObjekt,
Produkteines»racializeddiscourse«(Goldberg1993:41-60).Diesesdiskursive
ObjektracegehtfürihnaberdemRassismussowohl logischalsauchhistorisch
voraus: »[R]ace is adiscursiveobject of racializeddiscourse thatdiffers from
racism.Race,nevertheless,creates theconceptualconditionsofpossibility […]
forracistexpressionstobeformulated«(Goldberg1993:42,Herv.i.O.;vgl.61).
In diesemSinne kann es zwar ›race‹ ohneRassismus geben (etwa inpositi-
venBezügenantirassistischerBewegungenaufdie›race‹-KategorieSchwarz),
abereigentlichkeinenRassismusohneRassen.ZugleichnimmtGoldbergna-
türlich zurKenntnis, dass rassistischeDiskurseundVerhältnisse besonders
seitden1980er Jahrenebenohneexplizit ›rassische‹Kategoriensystemeaus-
kommen.ErwirdsogarzueinemderprominentestenKritikerder»post-raci-
alcondition«indenUSAundweltweit(Goldberg2015;vgl.Bojadžijev2016).Er
reagiert darauf aber nichtmit der konzeptionellenEntkoppelung von ›race‹
und ›racism‹, sondernmit demVersuch, dieMetamorphosen undMaskie-
rungen nachzuvollziehen, in denen ›race‹ weiterexistiert: Es geht,mit dem
Titel einesKapitels in »RacistCulture«gesprochen,umdie »MasksofRace«
(Goldberg1993:61-89).Imangeblich ›post-rassischen‹Zeitalter,dasvonman-
chenliberalenKommentatorInnenindenUSAanlässlichderPräsidentschaft
BarackObamas ausgerufenwordenwar, verschwindet ›race‹ nicht, so argu-
mentiertGoldberg, sondernvervielfältigt sich: »Racial arrangementspopup
elsewhere,lessreadilymarkedandsonotsoeasilycategorizedoridentifiable«
(Goldberg 2012: 125). Damit sindwir für die Analyse des antimuslimischen
Rassismus auf jene Position zurückgeworfen, die imParadigma der Rassi-
fizierungnachÄquivalentenoderMasken von ›Rassen‹ in der Figur des/der
muslimischenAnderen sucht.Die vorliegendeUntersuchunggeht hingegen
davonaus,dassdiehier analysiertenKonstruktionendes/dermuslimischen
Anderen rassistisch sein können, auchwenn sie keinewie auch immerme-
taphorischeBeziehungzu rassischenKategorienaufweisen.Umgekehrtgreift
sie dieKonzeption vonRassismen »vor,mit, nachundohneRassen« (Hund
2012) auf und schließt an die Formulierung FannyMüller-Uris an, wonach
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik