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260 ImNamenderEmanzipation
7.1 ExpliziteSelbstverortung:Distanzierungvonrechts
Die aus der Oberfläche des Interviewmaterials ablesbare Selbstpositio-
nierung der Befragten hat eine eindeutige politische Dimension. Explizit
positionieren sich ausnahmslos alle InterviewpartnerInnen in politischer
Distanzzu rechtenPositionenbzw.alsnicht-rassistisch. InderAuswertung
desMaterialswurdensolchePassagengesondert codiert (als ›Distanzierung
von rechts/Rassismus‹); jedes der 18 Interviewsweist zumindest einen sol-
chen Code auf. Häufig tauchen diese expliziten Selbstpositionierungen im
Kontext des Topos ›Parteipolitische Instrumentalisierung‹ auf (vgl. Kapitel
5.2.2) und signalisieren Distanz zur FPÖ. Ebenfalls mehrfach wird dieser
Selbstpositionierung Ausdruck verliehen, wenn nach Rückmeldungen aus
der LeserInnen- oder SeherInnenschaft bezüglich desThemas Islam/Mus-
limInnen gefragt wird. Hier taucht inmehreren Antworten dasMotiv des
»Beifalls von der falschen Seite« auf. So etwa in dieser Passage, aus einem
InterviewmiteinerRedakteurineinesWochenmagazins:
»Also ich hab’ einmal eine Geschichte gemacht über zwangsverheiratete
Mädchen und das war erschütternd, wieviel wirklich, also, unglaublich
bösartige Leserbriefe da gekommen sind von sehr ausländerfeindlichen,
sehr rechtenMenschen…alsodas,wasder EnzensbergerdanndenBeifall
vonderfalschenSeitenennt.« (I1f)1
Ganzähnlichschildert esein Journalist einerTageszeitung:
»BeidemThemabekommeichauchimmerwiederLeserbriefe, inderTona-
litätsehrhartundinhaltlichzuneunzigProzent,dasswirzuweichsindund
dassdieLeuterausg’hautgehörenunddassmanaufräumenmuss«(H1m)
EinweitererTageszeitungs-Journalist verwendet sogardiegleicheRedewen-
dung:
»Wennman einen Kommentar schreibt in diesemKontext, ich verwende
jetzt bewusst dasWort islamkritischen Kommentar nicht, aber wo kriti-
1 Vgl. Hans Magnus Enzensbergers Schrift zur »Bewusstseins-Industrie« (Enzensberger
1964).DieBefragtegehtaufdieseReferenznichtnäherein. Interessant ist indiesemZu-
sammenhang, dass Enzensberger argumentiert, dass JournalistInnen in ihrer publizisti-
schenTätigkeitkeineKonzessionenausAngstvor»BeifallvonderfalschenSeite«machen
sollten.MitderParaphraseEnzenbergersrechtfertigtdieJournalistinalsozugleichihrei-
genesSchreibenundimmunisiertesgegenmöglicheKritik.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Titel
- Im Namen der Emanzipation
- Untertitel
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Autor
- Benjamin Opratko
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefeld
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 366
- Schlagwörter
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Kategorien
- Weiteres Belletristik