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Anton Kuh - Biographie
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126 einmal die Grabrede gehalten hat?  … Vor acht Jahren kam Jeßner mit seiner Truppe (lies: Treppe) auf Gastspiel nach Wien. Führte den Richard vor. Die Wiener sind altmodische, traditionserstarrte Menschen, denen seltsamerweise ein toter Mitterwurzer lieber ist als ein lebendiger Kort- ner  – und sie schenkten dem Ereignis keine Beachtung. Zu allem Überfluß ließ ich unter dem Titel ›Ein Pferd, ein Pferd  …‹ einen Vor- trag folgen, worin ich das Billigste von der Welt unternahm: Shake- speare gegen Berlin auszuspielen!  … Ich schränkte dies Spiel allerdings durch den Zusatz ein: in Wien dürfe man das  – in Berlin aber gelte der Name Jeßner mit Recht als politischer ›Belang‹. Davon lebe freilich andrerseits sein Träger; er trotze allen Feuilletongefahren im Gefühl doppelter Leitartikelwürdigkeit. Aber Feuilletongefahren  – gäbe es denn die in einer Stadt, wo die Richtung wichtiger ist als der Mensch? Wo ein gemeinsamer Bund der Maßstablosigkeit alles regiert? Wo das Motto des Vorwärtskommens für Schaffende und Wertende lautet: ›Im Gegen- teil!‹ Wo ein Regisseur dem Hans Sachs bloß den Vollbart zu skalpieren braucht, um als Neuerer zu gelten? Wo die Unbildung den Dramatur- gen macht, indem sie, ohne Ahnung, daß dem Richard-Drama eine Trilogie ›Heinrich VI.‹ vorangeht, aus dem aristokratisch-einsamen, liebenswürdigen (Lessing!) Richard einen brüllenden Schlachtstier wer- den läßt  – wo der Justamentgeist eine Treppe dazu baut, damit der auf ihr herniederwandelnde Hauptdarsteller den Anschein erregt, als komme er trotz der dämonisch fletschenden Vorsätzlichkeit seines Mienen- spiels, der skandierten Abgezähltheit seiner Gebärden und der intellek- tuell geschärften Harmlosigkeit seiner Stimme, die ihn als Prototyp eines ›Übersteigerten‹ erkennen lassen, ›von oben‹ her  – und wo zu all dem Kritiker Bravo sagen, teils, weil ihre eigne Phantasie nicht weiter reicht, teils, damit man ihnen zum kühnen Bejahen auch die Lenden- kraft zutraut? Wo eine Sache ›anders machen‹ sogleich ›revolutionär‹ heißt? Wo es kurzgesagt immer auf Namen und Benennungen und nie, nie, auf das Wunder der Persönlichkeit ankommt?«29 Von »Sensationsvorverkauf« ist in den Ankündigungen der Rubri- ken »Bühne und Kunst« sowie »Mitteilungen der Prager Theaterkanz- lei« wieder zu lesen  – für einen Vortrag Anton Kuhs, »der die letzten Dinge der Erotik behandeln« werde. »Geschmacklose Reklame!« ärgert sich der Rezensent der »Bohemia«, aber »wenn Kuh sein Brillantfeuer- werk geistreicher Einfälle und philosophischer Witze« abbrenne, gebe es »wirklich für den Literaturmob etwas zu gaffen«. Ganz in »Wie-ich-es-sehe«-Haltung und allerpersönlichst spricht Kuh zwei Stunden lang über Wedekind, den »Amokläufer gegen die ganze starre, freiheittötende deutsche Kultur«, den »innerlich Prag, Urania, Großer Saal, 3.2.1922, 20 Uhr: Der unverstandene Wedekind
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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