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Anton Kuh - Biographie
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138 Ethos als Mastkur. (Mit welcher Sprachgefräßigkeit schwört er doch dem Leibe ab!)«. Ganz nach seinem Lebensmotto »Nur nicht gleich sachlich werden! Es geht ja auch persönlich« auch ein kleiner Themenschwerpunkt zum Grundübel der Literaten: »Altenberg schildert einmal die Bemühung eines Bordellmädchens um einen braungebrannten, keuschen Sport- und Gesundheitsjosef, den sie am Ende frotzelt: ›Aus’n Hirn aussaschwitzen kannst dir’s a net!‹ / Altenberg fügt hinzu: ›Ich kann!‹ Er konnte gottlob nicht. Daher seine stets erigierte Kunst. Aber es soll von Heb- bel abwärts etwelche geben, die können.« »Wildgans nennt seine Akte pathetisch ›actus primus‹, ›secundus‹, ›tertius‹ usw.  – fraglos aus Scham vor dem Nebensinn jenes Wortes. / Er hätte, sag’ ich euch, die patheti- schen Aktusse nicht nötig, wäre ihm einmal ein richtiger Akt geglückt.« »Warum sich noch kein Nachwuchstalent des Themas ›Onanie‹ bemäch- tigt hat? Hier gäbe es Aussage, Erlebnis, Gestaltung. Aber sie schreiben lieber Bordellepen und türmen mit nässender Hand Berge der Bezie- hung vor uns auf. Lieber hauen sie ihr Unerlebnis in Granit als ihr Er- lebnis in Lehm.« Und ganz nach dem Motto, das seinen »Aussprüchen« vorangestellt ist  – »Vor das Glück haben die Götter nicht den Schweiß gesetzt«  –, liefert Kuh auch gleich das Remedium: »Ich verordne den Literaten: Soda bicarbona und Geschlechtsglück.« Die Geneigtheit der Leser ist keine ungeteilte: Die zahlreichen Vor- abdrucke erscheinen mit freundlichen einleitenden Bemerkungen wie »Ein kleines Bändchen witziger Randbemerkungen«5, »Eine kleine Sammlung witziger Merkworte«6 oder »Die folgenden Aussprüche und Aphorismen sind einem kleinen, sehr amüsanten Buch […] entnom- men«.7 Franz Blei streut dem »überaus einfallreichen Kuh« und seinem »Büchlein Gesprochenes«, in dem sich die »Physiognomie des Spre- chers« abbilde, Rosen.8 Alfred Döblin freut sich an den originellen »Be- leuchtungen«, die sich wohltuend von der einschläfernden Paradoxa- Meterware abhöben: »An Kuhs knappen Sätzen wird der Sprachkenner seine Freude haben wegen ihrer Präzision und Kompression, der Gebil- dete wegen ihrer nüchternen, hundeschnauzigen Schärfe, der Geistige überhaupt wegen ihrer ehrlichen Geistigkeit ohne Rückenlehne.«9 Georg Hermann ist überaus angetan vom lakonischen Witz, mit dem Anton Kuh seine Schlaglichter auf die Literaturszene wirft, die erhellender seien als seitenlange Abhandlungen.10 Max Rychner hingegen fehlt’s bei den »paar Dutzend Bouillonwürfel[n] aus kondensierter Erkenntnis und Bosheit«, die er im einzelnen durchaus goutiert, insgesamt dann doch an Ernst und Ethos: »Die Satire wird hier zur Konversation.«11
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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